ARAMEAN YOUTH UNION – Junge Aramäische Union

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Die ursprünglichen Wurzeln der Aramäer aus dem oberen Mesopotamien

von Johny Messo

Die alten Aramäer wurden traditionsgemäß als „Kamel-Nomaden“ betrachtet, die sich „von den Rändern der Syrisch-Arabischen Wüste her ausgebreitet haben.“ Von dort aus marschierte ein Teil der „aramäischen Stämme im nördlichen Mesopotamien ein und gründete dort eine Reihe von kleinen Staaten.“

Diese Ansicht ist aus einem breiteren Kontext über die Ursprünge der „Semiten“ entstanden. Innerhalb dieser Gruppe werden die Aramäer allgemeinhin zum (nord)westlichen Zweig gehörig eingestuft; die Akkadier, Babylonier und Assyrer beispielsweise werden zu den Ost-Semiten gezählt.

Bis vor Kurzem dominierten in den vorrangigen Wissenschaften diese und ähnliche Darstellungen von den Anfängen und der Natur der Aramäer. Trotzdem entsagte sich in den letzen Dekaden eine neue Generation von Wissenschaftlern, auf Kosten eines alternativen Models, dieser konventionellen Ansicht. Es genügt hier einige Experten anzuführen, die die veralteten Theorien abgelehnt haben und die ursprünglich mesopotamische Identität der alten Aramäer, der Vorfahren, der modernen „Syrer“ , bekräftigten.

Unbekannte Ortsnamen mit der Bezeichnung „Aram“ als Bezug zu einem vermuteten aramäischem Gebiet, treten in Texten auf, die auf das dritte Jahrtausend vor Christus datiert werden. Ein unstrittiger Beweis von der Erwähnung der „Aramäer“ stammt aus den Annalen von Tighlat-Pileser I (1114-1076 v. Chr.).

Ein Gelehrter, dieses Zeugnis wird auf das Jahr 1111 datiert, unterschied zwischen zwei Anfangsstadien in der frühesten Geschichte der Aramäer, nämlich zum einen in ihre „Vorgeschichte“ (diese endete um 1111) und zum anderen in ihre „Protogeschichte“ ( 1111- 912). 912 v. Chr. war das Jahr, in dem Adad-nārāri II den assyrischen Thron bestieg und und damit begann, die aramäischen Gebiete in Mesopotamien, die langsam in das sich vergrößernde Neu-Assyrische Reich eingegliedert wurden, zu liquidieren.

Der erste offensichtlich Hinweis auf eine Gruppe, die als „Aramäer“ benannt wird, taucht um etwa 1111 v.Chr. auf, was jedoch keinesfalls bedeutet, dass die Aramäer nicht bereits vor diesem Zeitraum existierten. In der Tat ist es anerkannt, dass einige Stämme, die später als „Aramäer“ in assyrischen Quellen ( z.B. Beth Zamani) bezeichnet wurden, im Alten Orient vor dem 12. Jh. gegenwärtig waren und als ein neu auftauchendes politisches Gebilde galten. „So wie es bereits die Vorgänger [ die Amoriter] taten“, begründet der spätere Dion „hielten sich die Aramäer in der Dunkelheit des Dorflebens und im „eingeschlossenen“ Nomadentum über mehrere Jahrhunderte auf, bevor sie sich selbst in der politischen Szene im westlichen Asien behaupteten.“

Im Hinblick auf die fälschliche Bezeichnung „Kamel-Nomaden“ gibt es keine Belege, möglicherweise wurde diese Bezeichnung mit dem Bild der antiken und modernen Araber (und Bediunen) im Kopf auf die Aramäer projiziert . „Tatsächlich“, merkte Schiedewind an „ist die Charackterisierung der frühen Aramäer als ‚Nomaden‘ zweifelhaft. Viel mehr waren die frühen Aramäer semi-normadische Viehhalter.“

Die bahnbrechnede Studie von Glenn Schwarzt verwarf die schwachen Hypothesen über Invasion oder Migration und schlug einen anderen Rahmen für die frühe Geschichte der Aramäer vor. Nach Überprüfung der Natur von dem „Beweis für die frühen Aramäer“ und ihrer Stadtstaaten in Syro-Mesopotamien, er kritisierte die „konventionellen Interpretationen des aramäischen Erscheinungsbildes in Neu-Assyrischen Aufzeichnungen“ (281), Danke, dass „eure Ansichten dazu neigen Assyro-zentrisch zu sein“ (284). Außerdem ist der „historische und archäologische Beweis für die frühen Aramäer in mehreren entscheidenen Punkten befangen“ (280). Daher wird, unter den gegenwärtigen Umständen, jeder Versuch die Entstehung der aramäischen Geschichte zu rekonstruieren unweigerlich nur teilweise und unvollstendig sein.

Auch Pitard argumentierte, dass „das traditionelle Einmarsch-Modell“ fehlerhaft sei und erkannte an, dass die frühen (voreingenummenen) Quellen über die Aramäer „keinen klaren Hinweis darüber geben, dass die Aramäer Neuankömmlinge im oberen Mesopotamien waren.“ „Es gibt einfach keinen Beweis dafür,“ erklärt er weiterhin „ dass die Population im oberen Mesopotamien und im Nordosten Syriens von großen Gruppen aramäischer Stämme, die zuvor in der Wüste gelebt hatten, verdrängt worden seien.“ Demzufolge stützt sich das angebliche Eindringen der Aramäer in diese Gebiete auf eine fehlerhafte Annahme und es ist viel wahrscheinlicher, dass sie „die westsemitisch- sprechenden Völker waren, die während des 2. Jahrtausend (v.Chr.) in diesem Gebiet gelebt haben, einige von ihnen als Viehhüter, andere in Dörfern und wieder andere in Klein- und Großstädten.“

Den Bereich betreffend, der weites gehend dem heutigen Nordost-Syrien entspricht, so schloss Sader: „Die viehhütenden Aramäer können nicht weiter als ‚Eindringlinge‘ betrachtet werden, die aus der Syrisch-Arabischen Wüste ausgebrochen seien, sondern vielmehr als das pastorale Element, ein fester Bestandteil aus der Spätbronzezeit [ca. 1550-1200 v.Chr.] der syrischen Gesellschaft.“ Obwohl McClellan in wenigen kleinen Fragen anderer Meinung ist als Sader, so stimmt er doch zu, dass „es kaum Anzeichen für eine Invasion von außerhalb“ gäbe.

Die Aramäer von damals, die allgegenwärtig in den nördlichen Regionen von Syro-Mesopotamien waren, können somit also als die einheimische Bevölkerung von Obermesopotamien und Nordostsyrien betrachtet werden. Von Norden nach Süden waren die wichtigsten aramäischen Gemeinwesen im Norden Mesopotamiens Beth-Zamani, Beth-Bahiani, Beth-Halupe und Laqu.

Soweit ich weiß, gibt es keinen Spezialisten, der die aramäische Abstammung der heutigen aramäisch sprechenden Christen dieser Gebiete abstreiten würde. In der Tat leitet Palmer in seinem Buch über den Tur Abdin, den aramäischen Namen einer christlichen Enklave im Südosten der Türkei, richtig aus den neu-assyrischen Annalen ab: „Nicht nur einige der Ortsnamen sind immer noch gebräuchlich, auch die Art der Landwirtschaft und die Kunst in der Metallbearbeitung sind charakteristisch für die alten aramäischen Lager von Christen, die die Erben der Hochebene sind.“ „Dies bestätigt uns“, so ein weiterer Gelehrter „eine bestimmte Kontinuität, wenn nicht sogar einen direkten Übergang zwischen der Aramäischen und der Syrischen Welt und der Kirche, die diesen Namen trägen würde.“

Die letzten Jahrzehnte jedoch haben eine andere Realität gezeigt, nämlich die Realität einer staatlich geförderte Politik, die beabsichtigt all die antiken aramäischen Namen von Städten und Dörfern zu „vertürken“. Infolgedessen wird in naher Zukunft dieser Prozess einen wesentlichen Teil der alten aramäischen Kultur im oberen Mesopotamien ausgelöscht haben und damit das Ende der Kontinuität.

Quelle: http://www.midyatcity.com/articles/indigenous_arameans.pdf

Übersetzung: Sara Nergiz

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Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. April 2011 von in Artikel über Aramäer, Kultur und Identität.

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