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Tutanchamun in Frankfurt: Hintergründe eines PR- Etikettenschwindels

Goldmaske des Pharaos Tutanchamun Foto: Semmel Concerts

In Ägypten bleiben die Touristen weg. Die Gründe sind hinreichend bekannt. Radikale Islamisten sind an der Macht gekommen, haben gemäßigte Islamisten abgelöst. Die arabische Revolution ist  im wahrsten Sinne des Wortes eine „Fata Morgana“, der von einigen unter Wahrnehmungsstörungen leidenden Journalisten herausposaunte  „arabische Frühling“ eine hochsommerliche Dürre, die das allerletzte Grün verwelken lässt. Nackte Haut an Stränden und erst recht lockere Flirts in der Cocktailbar, sind den muslimischen Moralaposteln ein Balken im Auge.  Wenn also keine Touristen mehr nach Ägypten kommen, dann muss Ägypten nach Europa exportiert werden, damit die Leute wieder Lust auf Sand, Strand und Pyramiden kriegen, haben sich die Veranstalter oben genannter Ausstellung gesagt und einen Ägyptischen Pharao aus der Mottenkiste geholt. Tutanchamun.

Doch was da mehrmals täglich vom HR 1 als „geheimnisumwitterte archäologische Sensation“ angekündigt wird, entpuppt sich sehr schnell als großer Etikettenschwindel und geschickt lancierte PR-Veranstaltung diverser Reiseveranstalter, Medien und Verlage.

Die wichtigste Erkenntnis: Die berühmte Büste des Pharaos samt Schätze, befindet sich – mit Ausnahme von „geplünderten Teilen“ – im Archäologischen Museum in Kairo. Bei allen, im „Hörzu-Wissen-Forum“ in der Mainzer Landstraße ausgestellten Grabungsfunde, handelt es sich ausnahmslos um Repliken. Dies fällt selbst der islamophilen Frankfurter Rundschau auf, deren Journalistin lieber die Originale gesehen hätte. Auffälliger Weise ist die einzige Pressestimme mit verhaltner Kritik im Onlineportal des Veranstalters spurlos verschwunden.

Viel interessanter als der „falschen Pharao“ ist daher das Begleitprogramm des modernen ägyptischen Mummenschanzes. Es soll das angekratzte Image des einstigen Urlaubsparadieses wieder aufpolieren. Dazu haben die Macher ein paar halbwegs liberale Vorzeige-Künstler nach Frankfurt geholt, die in einer separaten Ausstellung „Ägyptische Kunst heute“ ihre braven Bildchen zeigen. Alles sehr ästhetisch, sehr schön; tanzende Derwische, Ikonenartige Porträts, die an persische Buchmalerei erinnern, angereichert mit altägyptischen Motiven. Kein Blut, keine brennenden Kirchen, keine Bilder, die einen Hasserfüllten Mob zeigen, Christenverfolgung? Kein Thema! Gewalt, Vergewaltigung, Entführung? Kein Thema! Die „Künstler“, deren Namen ich dem Leser erspare, treten haargenau in die unseligen Fußstapfen des so genannten staatlichen „Sowjetrealismus“, der in der DDR-Kunst seinen Ableger gefunden hat. Was für die einen das „Arbeiter und Bauernparadies“ war, ist für die „Hofmaler“ aus Kairo ein „Orientalisches Traumreich  aus 1001 Nacht, in dem altägyptisches Erbe so wunderbar mit dem real existierenden Islam verschmilz“, wie die Feuilletonfutzis jetzt schreiben würden. Das ganze wird noch von „Massar Egbari“, Rockband aus Kairo, musikalisch untermalt.

Als Hauptveranstalter der kulturellen PR-Veranstaltung tritt die Mannheimer Großkonzertagentur „Semmel Concerts“ in Erscheinung. „Hausherr“ ist jedoch die zum Axel Springer Konzern gehörende Zeitung „Hörzu-Wissen-Forum“, die zur Ausstellung ein Sonderheft herausgibt. Spätestens wenn man die Linkliste der „Unterstützer“ anklickt, weiß man, wohin die Reise geht: Bei „Express Travel International“ ( ETI) landet man sofort bei einer last Minit-Flugreise nach Ägypten. Es folgen „Clever Tours“ gefolgt von „Ameropa“ und „FERIDE-Reisen“. Natürlich darf das „Ägyptische Fremdenverkehrsamt“ nicht fehlen und diverse Verlage, die vornehmlich Reise-Bücher herausgeben. Auch ein orientalisches Themenhotel „Villa Oriental“ ist mit von der Partie. Ob man da morgens mit einem Muezzinruf geweckt wird?

Kopten haben (selbstverschuldetes) Nobody-Image

Gegenfrage: Warum werden über 15 Millionen Menschen in diesem, als „kulturelles Paradies“ gepriesenen Landes bei der Ausstellung konsequent ausgeklammert? Immer wieder hört man auf den wenigen Veranstaltungen in denen Vertreter der Kopten – meist jedoch  nur einer – Bischof Anba Damian, in Erscheinung treten: „ Wir sind die Nachfahren der alten Ägypter!“

Die große Frage, die sich stellt, lautet: Wieso haben  15 Millionen Menschen – fast so viele Einwohner wie die Niederlande – es nicht geschafft sich als „Nachfahren der alten Ägypter“ im Bewusstsein der übrigen Welt zu verankern? Zum Vergleich: Es gibt nur 2 Millionen Tibeter, die nicht einmal ein Prozent der Chineschen Gesamtbevölkerung ausmachen. Trotzdem kennt jeder den Daila Lama. Jeder vierte weiß, dass die Tibeter Buddhisten und eine unterdrückte Volksgruppe sind. Selbst die Feuerwehr von Usingen hisst aus „Solidarität“ hin und wieder die Tibetische Flagge. Denkt jemand beim Besuch der Pyramiden, dass die Nachfahren der Erbauer gleich nebenan wohnen?

Glaubt jemand, dass der Tempel von Karnak ein Vorläufer einer koptischen Kirche ist? Oder die liebliche Göttin Isis die Vorläuferin von Maria? Nein und nochmals nein!

Im Gegensatz zur katholischen und griechisch orthodoxen  Kirche, hat die koptische Kirche, heidnische Kulte und Philosophie nicht als „Vorläufer“ christlichen Glaubens verstanden, sondern im wahrsten Sinne des Wortes  „verteufelt“. Es gibt so gar ein Kirchenlied, in dem sich die Kopten damit brüsten die „heidnischen, ägyptischen Götzen“ zerschlagen zu haben.

An diesem Spagat, sich einerseits als alte Ägypter zu fühlen, anderseits die alte Ägyptische Kultur abzulehnen, gehen die Kopten im wahrsten Sinne des Wortes kaputt…

Rettung ist nicht in Sicht. Die Kopten haben viele Jahrhunderte Zeit gehabt, darunter auch Friedenszeiten ohne Verfolgung und relativem Wohlstand, um das Erbe altägyptischer Kultur wieder anzutreten. In Irland fühlt sich fast jeder Ire als guter Katholik und ist gleichzeitig stolz auf seine keltische, sprich heidnische Kultur und Abstammung. Iro-schottische Mönche haben großen Wert darauf gelegt, die heidnischen Heldengesänge der keltischen Barden als Volksgut aufzuschreiben und vor dem Vergessen zu bewahren. Haben Koptische Mönche das „Ägyptische Totenbuch“ vor dem Vergessen gerettet? Oder sehen sie in der neuplatonischen Weisheitsschrift  des Hermes Trismegistos einen Vorläufer der Bibel? Fehlanzeige: Die meisten Kopten, Klerus inbegriffen, kennen diese Bücher nicht einmal.

„Wer die Begriffe besetzt, besitzt auch die Macht“ lautet ein Leitsatz der Frankfurter Schule. Die Muslime – insbesondere die moderaten Eliten –  haben das Ägyptische Erbe voll und ganz übernommen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kopten  umnebelt vom Weihrauch ihrer sehr eng gefassten, spätantiken, auf Aprokryphen aufbauenden  Religion, es vor Urzeiten auf den Müll geworfen, und in der Neuzeit zu arrogant, und vor allem zu träge waren, um es wieder auszugraben.

Klaus Lelek

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. März 2012 von in News aus aller Welt.

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