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Christenverfolgung ist Politikum

Bundestag fordert die Türkei auf, Kloster Mor Gabriel zu erhalten – Europaparlament kritisiert den Iran wegen Drangsalierung religiöser Gruppen

Berlin/Straßburg (DT/KNA/sb) Der Deutsche Bundestag verlangt von der Türkei die
Achtung der Religionsfreiheit und den
Erhalt des syrisch-orthodoxen Klosters Mor
Gabriel. CDU und FDP forderten in einem
am Donnerstag im Parlament behandelten
Antrag von der Bundesregierung und der
Europäischen Union, sich bei der türkischen Regierung für die syrisch-orthodoxe
Minderheit im Land einzusetzen und deren
Existenzgrundlage zu garantieren.
In einem fast gleichlautenden Antrag
betont die SPD, dass Ankara den syrisch-orthodoxen Christen als Minderheit die
Rechte gewähren müsse, die in der EU-Beitrittspartnerschaft mit der Türkei eindeutig
festgelegt seien. Nach den Worten des Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses
im Bundestag, Tom Koenigs (Grüne), beleuchtet der Streit um den durch ein Enteignungsverfahren gefährdeten Fortbestand des Klosters beispielhaft, „wie fragil
die Lage der Religionsfreiheit am Bosporus
ist“. Der laufende Prozess könne als Spitze
des Eisbergs gelten. Es würden auch „zahlreiche andere Klöster und aramäische Ortschaften mit ähnlichen Enteignungsverfahren überzogen“, so Koenigs.
Der Fraktionsvorsitzende von CDU und
CSU, Volker Kauder, forderte von den türkischen Behörden, „alles zu unterlassen, was
diesen einzigartigen Ort der Christenheit
gefährden kann“. Mor Gabriel sei „auch
durch die Haltung der Behörden und Gerichte in der Türkei seit langem in seinem
Fortbestand bedroht“. Er kritisierte, dass
am vergangenen Mittwoch erneut der Gerichtstermin im „Wald“-Verfahren gegen
den Vorsitzenden der Gemeindestiftung
des Klosters, Kyriakos Ergün, zum inzwischen fünften Mal verschoben wurde. Er
warf dem Gericht „eine Verschleppung der
rechtlichen Klärung des Verfahrens“ vor.
Das im Jahr 397 gegründete Kloster ist
eines der ältesten christlichen Klöster überhaupt. Derzeit leben dort 14 Nonnen und
zehn Mönche. Nach Angaben von Menschenrechtlern sind in der Region Tur Abdin und im Nordirak Hunderte der verbliebenen Christen von Enteignungen bedroht. Im Zusammenhang mit der erstmaligen Landvermessung zur Anlage von
Grundbüchern in der Region kam es zu
zahlreichen Konflikten um Grundeigentum. Rund 300 Gerichtsverfahren seien anhängig. Darunter ist der Streit um Liegenschaften des syrisch-orthodoxen Klosters
Mor Gabriel der bekannteste.
„Mor Gabriel ist tatsächlich in seiner
Existenz bedroht, wenn man dem Kloster
die Grundstücke entzieht, von denen es
lebt“, bestätigte der Integrationsbeauftragte
der Syrisch–Orthodoxen Kirche in
Deutschland, Simon Jacob, am Freitag im
Gespräch mit der „Tagespost“. Er sieht die
Auseinandersetzung um das Kloster, das
„das geistige Zentrum“ seiner Kirche sei, als
politische Machtdemonstration, die auf
dem Rücken des Klosters ausgetragen werde. Unterschiedliche politische Strömungen wollten aus Klöstern Museen machen,
weil ihnen die Präsenz der Christen in der
Türkei grundsätzlich ein Dorn im Auge sei.
Gerade in der Ost-Türkei gehe es „mehr um
Stammesdenken als um den Rechtsstaat“.
Simon Jacob räumt gegenüber dieser
Zeitung ein, dass sich die Situation der Religionsfreiheit in der Türkei unter der AKPRegierung von Ministerpräsident Erdogan
gebessert habe. Der Grund dafür sei aber,
dass die AKP die Religiosität in der Türkei
insgesamt stärken wolle. „Ohne Druck aus
dem Westen wäre Mor Gabriel längst verloren“, so der Integrationsbeauftragte der Syrisch-Orthodoxen Kirche, der den Druck
von außen für notwendig erklärt.

Unterdessen kritisierte das Europäische
Parlament am Donnerstag, „dass Minderheiten im Iran weiterhin aufgrund ihres
ethnischen oder religiösen Hintergrunds
diskriminiert und drangsaliert werden“.
Das in Straßburg tagende Parlament forderte den Iran auf, „gemäß der iranischen Verfassung und dem Internationalen Pakt über
bürgerliche und politische Rechte Religionsfreiheit zu garantieren und der Diskriminierung und Drangsalierung religiöser
Minderheiten Einhalt zu gebieten“. Das
Europaparlament nannte – gegen den Widerstand von Sozialisten, Liberalen, Grü-
nen und Linken – auf Antrag der christdemokratischen EVP-Fraktion in diesem Kontext ausdrücklich auch die Christen, nämlich „nicht-schiitische Muslime, Assyrer
und andere christliche Gruppen“.
Der außenpolitische Sprecher der CSUEuropaabgeordneten, Bernd Posselt, zeigte
sich zufrieden, dass die Mehrheit des Europaparlamentes seinem Vorstoß gefolgt sei,
die Christen zu erwähnen, bemängelte aber
„die Phobie linker Kräfte, Menschenrechtsverletzungen an Christen als solche anzusprechen“. Posselt wörtlich: „Europa ist ein
mehrheitlich christlicher Kontinent, und
wer soll die Schutzmacht der Christen in aller Welt sein, wenn nicht wir?“

Hier der Artikel als PDF-Datei: https://dl.dropbox.com/u/50886762/Presseberichte/Allgemein/DieTagespost16062012s1.pdf

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 25. Juni 2012 von in News aus aller Welt, Völkermord - Christenverfolgung.

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