ARAMEAN YOUTH UNION – Junge Aramäische Union

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MITTEILUNG zum Online-Bürgerdialog

Mittwoch, 11. Juli 2012

Dachverband der Aramäer in Deutschland von Kanzlerin Merkel enttäuscht:
Völkermord an den Armeniern und Aramäern wird ´tolerant´ beiseitegeschoben

HEIDELBERG, 09.07.12 – Der Themenvorschlag „Gesetz gegen die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern und Aramäern“ unter mehr als 11.000 Initiativen, mit 156.870 Stimmen Platz 1 des Bürgerdialogs wird beim Empfang am 3. Juli im Kanzleramt mit einer klaren Aussage abgefertigt.

„Ich werde das nicht unterstützen“, so die Bundeskanzlerin zu diesem Thema. Wirken die heftigen Reaktionen und Maßnahmen der türkischen Regierung gegen Frankreich in Bezug auf den Gesetzesentwurf, der die Leugnung des Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellen sollte, etwa auch auf die Bundeskanzlerin nach?!

Die Begründung der Kanzlerin, eine Aufarbeitung der Ereignisse von 1915/1916 könne nur von innen kommen und sei in erster Linie Sache der beiden betroffenen Staaten Türkei und Armenien, ist fatal und nicht hinnehmbar.
Hinzu kommt, dass es sich hierbei um eine vorgefertigte Standardantwort der Bundesregierung bzw. der zuständigen Staatsministerin im Auswärtigen Amt Pieper handelt (Drucksache 17/824, Nr. 11), die bereits im selben Wortlaut auch auf eine Anfrage von Abgeordneten der Linken vom 10.02.2010 folgte.

Bei den Geschehnissen im Osmanischen Reich handelt es sich erwiesenermaßen um einen allgemein und international anerkannten Völkermord. Seit 1965 haben mehr als 21 Staaten, das Europäische Parlament, der Europarat, der Ökumenische Rat der Kirchen, das Ständige Tribunal der Völker, der südamerikanische Mercosur sowie die Union for Reform Judaism, die durch den osmanischen Staat begangenen Deportationen und Massaker der Jahre 1915–1917 offiziell als Genozid entsprechend der UN-Völkermordkonvention von 1948 als historische Tatsache anerkannt und verurteilt. Am 12.06.2011 hat auch das israelische Parlament in einer eigens dafür angelegten Plenarsitzung über die Anerkennung der Massaker im Osmanischen Reich 1915 als Völkermord debattiert.

Klärungsbedarf existiert nicht. Die Taten sind daher nicht mehr zu untersuchen, sondern zu verurteilen. Eine klassifizierende und unterschiedliche rechtliche Bewertung von erwiesenermaßen stattgefundenen Völkermorden kann und darf es auch nicht geben. Die Faktizität des Völkermordes an den Armeniern, Aramäern und Pontos-Griechen im Osmanischen Reich darf nicht zum Spielball verschiedenster politischer Interessen gemacht werden.

Für die Aramäer ist zudem eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem verübten Genozid an den Christen im Osmanischen Reich wichtig und notwendig. Vor dem Völkermord 1915 gab es im Südosten der Türkei Städte, Ortschaften und ein Gebiet (Turabdin), das einen geschützten Raum darstellte, in dem sich die aramäische Gemeinschaft kulturell und religiös ungestört entfalten und so ihr Jahrtausend altes kulturelles Erbe bewahren konnte. Dieser kulturelle Raum wurde mit voller Absicht zerstört. Im ersten Weltkrieg wurde die indigene aramäische Bevölkerung in ihrer Heimat nahezu vollständig ausgerottet. Hunderttausende Aramäer fielen dem im Osmanischen Reich begangenen Völkermord zum Opfer.

Verehrte Frau Bundeskanzlerin, im Hinblick auf ihre Aussage hinsichtlich der betroffenen Staaten, stellt sich für die 100.000 in Deutschland lebenden Aramäer entsprechend die Frage, mit welchem Staat soll sich die Aramäische Gemeinschaft denn befassen?!

Exkurs:
In der Türkei existieren die Aramäer de jure gar nicht. Sie sind als Minderheit offiziell nicht anerkannt und weit davon entfernt einen entsprechenden Rechtsstatus zu erhalten. Tägliche Diskriminierungen in Schulen, im Militär, vor dem Gericht sind leider Alltag. Das Kloster Mor Gabriel hat traurige Berühmtheit anerkannt und wurde kürzlich mit Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in Ankara vom 13.06.2012 rechtskräftig um 24,4 ha Land enteignet. Angesichts der verschiedenen und noch langwierigen Verfahren ist ein Standhalten des Klosters und eine Perspektive der Aramäer im Südosten der Türkei mehr als unsicher. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang eine erschreckende und alarmierende Enteignungssystematik des türkischen Staates zu erkennen, die eine Vielzahl von Kirchen, Klöster und Ortschaften in der Region bereits massiv betroffen hat. Der Völkermord ist in der Türkei striktes Tabu-Thema. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte kann in der Türkei – aufgrund des berüchtigten Paragrafen 301 des türkischen Strafgesetzbuches, Verunglimpfung des Türkentums – erfahrungsgemäß gefährlich werden.

In diesem Zusammenhang kann und darf nicht vergessen werden, dass das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg militärischer Hauptverbündeter der jungtürkischen Regierung war, dass deutsche Offiziere und Generäle im Osmanischen Heer dienten und, dass Berlin trotz Kenntnis der schrecklichen Geschehnisse zum schweigenden Komplizen wurde und tief in diese Vorgänge involviert war. Die Akten des Auswärtigen Amts, die auf Berichten der deutschen Botschafter und Konsuln im Osmanischen Reich beruhen, dokumentieren die planmäßige Durchführung der Massaker und Vertreibungen (Begründung des Fraktionsantrags, Drucksache 15/5689). Die Bundesrepublik Deutschland ist daher als Rechtsnachfolger zumindest mittelbar ebenfalls betroffen und darf sich seiner eigenen Verantwortung nicht entziehen.

„Der Bürgerdialog der Bundeskanzlerin und die Initiative „Gesetz gegen die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern und Aramäern“ auf Platz 1 haben doch gezeigt, dass die Anerkennung des Völkermordes unter expliziter Verwendung dieses juristischen Begriffes eben nicht allein Sache des türkischen und armenischen Staates ist. Die Bundesrepublik Deutschland ist aufgefordert sich dieser Aufgabe zu stellen – aus Respekt vor der eigenen Vergangenheit und den Menschenrechten, vor allem aber auch unabhängig von politischen Fesseln und Zweckmäßigkeiten“, erklärt Daniyel Demir, Bundesvorsitzender des Dachverbands der Aramäer in Deutschland.

Frankreich hat sich durch die Drohgebärden und Sanktionen der türkischen Regierung jedenfalls nicht einschüchtern lassen. Auch die neue Regierung unter Ministerpräsident Francois Hollande hat am 07.07.2012 erklärt, es werde derzeit an einem neuen Gesetzesentwurf gearbeitet, der die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern im Ersten Weltkrieg unter Strafe stellt.

Wir appellieren an die Bundeskanzlerin, diesen Bürgerdialog mit dem meistbewerteten Vorschlag „Gesetz gegen die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern und Aramäern“ nicht nur als Abenteuer, wie es hieß, zu sehen.

Als Dachverband der Aramäer in Deutschland fordern wir eine offene und ehrliche Debatte – Völkermord und dessen Leugnung sind in jedem Fall zu sanktionieren. Dazu ist eine Änderung des § 130 StGB unabdingbar.

Bundesverband der Aramäer in Deutschland

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Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. Juli 2012 von in Arbeitskreis JAU, Artikel über Aramäer, Junge Aramäische Union, Völkermord - Christenverfolgung.

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Der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern, über 500.000 Aramäern und anderen christlichen Minderheiten, die Straflosigkeit der Täter, wird von Historikern als Blaupause für den Holocaust und weitere Völkermorde bezeichnet. Bereits Adolf Hitler sagte bei seiner zweiten Rede vor den Oberkommandierenden auf dem Obersalzberg am 22. August 1939 „Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“. Die Leugnung eines Völkermords und die Straflosigkeit der Täter stellt einen Nährboden für weitere Völkermorde dar, welche heute immer noch stattfinden! Stoppt die Leugnung von Völkermorden und die Verunglimpfung der Opfer durch die Täter und ihre Nachfahren!

Yes, You Can Say ‘Genocide,’ Mr. Prim Minister Erdogan!

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