ARAMEAN YOUTH UNION – Junge Aramäische Union

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BÜRGERPETITION FÜR ANERKENNUNG des Völkermords an Armeniern und Aramäern ab 1915 im Osmanischen Reich

Initiative der Stiftung „avaaz.org“ – Scharfe Kritik des „Dachverbands der Aramäer in Deutschland“ an der ablehnenden Haltung der deutschen Regierungschefin zu einem „Gesetz gegen die Leugnung des Völkermords an den Armeniern und Aramäern“

Berlin-New York, 17.07.12 (poi) Die in New York beheimatete Stiftung „avaaz.org“, die globale politische Kampagnen organisiert, hat eine Bürgerpetition zur Anerkennung des „Völkermords an Armeniern und syrischen Christen ab 1915 im Osmanischen Reich“ durch den Deutschen Bundestag gestartet. Die Bürgerpetition ist eine Reaktion auf die Aussage der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Abschlussempfang zum „Online-Bürgerdialog“ am 3. Juli, dass sie ein „Gesetz gegen die Leugnung des Völkermords an den Armeniern und Aramäern“ nicht unterstützen werde. Sie begründete dies damit, dass eine Aufarbeitung der „Ereignisse“ von 1915/1918 in erster Linie die Pflicht der beiden betroffenen Staaten Türkei und Armenien sei. Mit dieser Äußerung sei Angela Merkel weit hinter die Position des Deutschen Bundestages zurückgefallen, der 2005 eine Rolle des damaligen Deutschen Reichs bei diesen Ereignissen einstimmig anerkannt habe. Der Themenvorschlag für ein „Gesetz gegen die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern und Aramäern“ hatte unter den mehr als 11.000 Initiativen des „Bürgerdialogs“ mit 156.870 Stimmen Platz 1 erreicht.

Der vom jungtürkischen „Komitee für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki) geplante Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern, mehr als 500.000 syrischen Christen (Aramäern) und anderen christlichen Minderheiten, die Straflosigkeit der Täter, werde von Historikern als „Blaupause“ für den Holocaust und weitere Völkermorde bezeichnet, erinnert „avaaz.org“. Hitler habe bei seiner zweiten Rede vor der Wehrmachtsführung auf dem Obersalzberg am 22. August 1939 erklärt: „Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“. Die Leugnung eines Völkermords und die Straflosigkeit der Täter stelle einen Nährboden für weitere Völkermorde dar, die auch heute immer noch stattfinden.

Gerade in Deutschland müsse man am besten wissen, welch verheerende Wirkung ein Völkermord auf das Zusammenleben von Opfern und Tätern habe, heißt es in der Erklärung von „avaaz.org“. Weitaus schlimmer sei es, wenn solch ein Völkermord über Jahrzehnte hinweg von den Tätern geleugnet wird und die Opfer öffentlich verunglimpft und als „Lügner“ bezeichnet werden. Durch die Leugnung eines Völkermords werde dieser kontinuierlich fortgesetzt.

Bis heute habe noch jede türkische Regierung bestritten, was für die Mehrheit der internationalen Historiker längst geklärt und dokumentarisch gut belegt sei: Die systematische Ausrottung von Armeniern, Aramäern und kleinasiatischen Griechen durch die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reiches während des Ersten .Weltkriegs. Die Verstrickung des damaligen Deutschen Reichs in diesen Völkermord sei gut dokumentiert, 800 deutsche Offiziere seien integraler Bestandteil der osmanischen Armee gewesen, gehörten ihrem Kommando und ihrem Generalstab an und hätten Befehle unterzeichnet, in denen die Deportation der christlichen Bevölkerung von Städten und Landstrichen angeordnet wurde. „avaaz.org“ nennt u.a. das Beispiel des Artillerieoffiziers Eberhard Wolffskeel von Reichenberg, der im Herbst 1915 das armenische Viertel der ostanatolischen Stadt Urfa beschießen ließ.

Im damaligen Deutschen Reich sei alles getan worden, um Berichte über die Massaker an Armeniern und Aramäern zu unterdrücken. So wurden etwa Journalisten vom Kriegspresseamt angewiesen, über die „armenische Frage“ zu schweigen. Auch heute werde weiter geschwiegen, die Leugnung des Völkermords und die Verunglimpfung und Diffamierung der Opfer geduldet. So sei 2005 der Verweis auf den Völkermord an den Armeniern zunächst aus dem brandenburgischen Lehrplan gestrichen worden, weil türkische Diplomaten dagegen vehement protestiert hatten. Heute jedoch sei Brandenburg das einzige deutsche Bundesland, das an den Schulen über die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich aufklärt. In den anderen Bundesländern werde über diesen Teil der Geschichte aus falscher Rücksichtnahme geschwiegen.

In der Bürgerpetition wird an den Deutschen Bundestag appelliert, sich nicht den Protesten von Völkermord-Leugnern zu unterwerfen, sondern – wie bereits bei der Aufarbeitung des Holocausts – auch hier weiterhin ein Vorbild zu sein und diesen Völkermord in aller Klarheit öffentlich anzuerkennen und zu verurteilen. Wörtlich heißt es in der Petition an die Adresse der Mitbürger: „Was würden Sie tun, wenn Ihre Familien erschlagen, erdrosselt, gekreuzigt, erschossen oder auf Todesmärsche in die mesopotamische Wüste geschickt worden wären? Was würden Sie tun, wenn die Nachfahren der Täter Sie daraufhin als Lügner bezeichnen, nur weil Sie eine historische Wahrheit erzählen und Anerkennung und Wiedergutmachung erwarten? Was würden Sie tun, wenn das Land, in dem Sie leben (Deutschland), als Mittäter zu all dem schweigt, weil es Angst vor Reaktionen hat? Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass die Täter und deren Nachfahren sich in Millionen/Milliardenhöhe an dem Tod ihrer Vorfahren bereichert haben und bis heute ungestraft geblieben sind?“

Auch der „Dachverband der Aramäer in Deutschland“ hatte die Haltung der deutschen Bundeskanzlerin zum Vorschlag eines „Gesetzes gegen die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern und Aramäern“ scharf kritisiert. Die Begründung Angela Merkels, eine Aufarbeitung der Ereignisse von 1915/1916 könne nur von innen kommen und sei in erster Linie Sache der beiden betroffenen Staaten Türkei und Armenien, sei fatal und nicht hinnehmbar. Für die Aramäer stelle sich noch dazu die Frage, an welchen Staat sie sich wenden sollten. Bei den Geschehnissen im Osmanischen Reich handle es sich um einen allgemein anerkannten Völkermord. Seit 1965 hätten mehr als 21 Staaten, internationale Organisationen, der Weltkirchenrat, die Union for Reform Judaism u.a. die durch die jungtürkische Regierung veranlassten Deportationen und Massaker der Jahre 1915–1918 offiziell – entsprechend der UN-Völkermordkonvention von 1948 – als historische Tatsache anerkannt und verurteilt. Klärungsbedarf existiere nicht. Die Taten seien daher nicht mehr zu untersuchen, sondern zu verurteilen. Die Faktizität des Völkermordes an den Armeniern, Aramäern und kleinasiatischen Griechen im Osmanischen Reich dürfe nicht zum Spielball verschiedenster politischer Interessen gemacht werden.

Vor dem Völkermord ab 1915 habe es im Südosten der Türkei Städte, Ortschaften und Gebiete (Turabdin) gegeben, die einen geschützten Raum darstellten, in dem sich die aramäische Gemeinschaft kulturell und religiös ungestört entfalten und so ihr kulturelles Erbe bewahren konnte. Dieser kulturelle Raum sei mit voller Absicht zerstört worden. Im Ersten Weltkrieg seien Hunderttausende Aramäer ermordet worden. Auch heute existierten die Aramäer in der Türkei de jure gar nicht. Sie seien als Minderheit offiziell nicht anerkannt und weit davon entfernt, einen entsprechenden Rechtsstatus zu erhalten. Tägliche Diskriminierungen in Schulen, im Militär, vor Gericht seien leider Alltag. Das Kloster Mor Gabriel habe traurige Berühmtheit erlangt, erst kürzlich seien durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in Ankara 24,4 Hektar Landbesitz des Klosters enteignet worden.

Im Zusammenhang mit dem Völkermord (auf suryoyo „Seyfo“ – Schwert – genannt) dürfe nicht vergessen werden, dass das damalige Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg militärischer Hauptverbündeter der jungtürkischen Regierung war, dass deutsche Offiziere und Generäle im Osmanischen Heer dienten und dass Berlin trotz Kenntnis der schrecklichen Geschehnisse zum schweigenden Komplizen geworden sei und tief in diese Vorgänge involviert war. Die Akten des Auswärtigen Amts, die auf Berichten der deutschen Botschafter und Konsuln im Osmanischen Reich beruhen, dokumentierten die planmäßige Durchführung der Massaker und Vertreibungen. Die Bundesrepublik Deutschland sei daher als Rechtsnachfolgerin zumindest mittelbar ebenfalls betroffen und dürfe sich ihrer eigenen Verantwortung nicht entziehen, heißt es in der Stellungnahme des „Dachverbands der Aramäer in Deutschland“. Der Vorsitzende des Dachverbands, Daniyel Demir, erklärte wörtlich: „Der ‚Bürgerdialog’ und die Initiative ‚Gesetz gegen die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern und Aramäern’ auf Platz 1 haben doch gezeigt, dass die Anerkennung des Völkermordes unter expliziter Verwendung dieses juristischen Begriffes eben nicht allein Sache des türkischen und armenischen Staates ist. Die Bundesrepublik Deutschland ist aufgefordert, sich dieser Aufgabe zu stellen – aus Respekt vor der eigenen Vergangenheit und den Menschenrechten, vor allem aber auch unabhängig von politischen Fesseln und Zweckmäßigkeiten“. (Infos: E-Mail: info@fasd-online.de).

http://www.pro-oriente.at/?site=ne20120717152601&mode=print

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. Juli 2012 von in Artikel über Aramäer, Völkermord - Christenverfolgung.

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Der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern, über 500.000 Aramäern und anderen christlichen Minderheiten, die Straflosigkeit der Täter, wird von Historikern als Blaupause für den Holocaust und weitere Völkermorde bezeichnet. Bereits Adolf Hitler sagte bei seiner zweiten Rede vor den Oberkommandierenden auf dem Obersalzberg am 22. August 1939 „Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“. Die Leugnung eines Völkermords und die Straflosigkeit der Täter stellt einen Nährboden für weitere Völkermorde dar, welche heute immer noch stattfinden! Stoppt die Leugnung von Völkermorden und die Verunglimpfung der Opfer durch die Täter und ihre Nachfahren!

Yes, You Can Say ‘Genocide,’ Mr. Prim Minister Erdogan!

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