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Urchristliches Land

Hier wurde Paulus bekehrt, hier wird die Sprache Jesu gesprochen: Syrien hat eine lange christliche Geschichte

 

Die christliche Gemeinschaft in Syrien, mit rund 1,9 Millionen Christen, ist nach Ägypten die zweitgrößte christliche Minderheit im Nahen Osten. Paulus erlebte bei Damaskus seine Bekehrung, noch heute sprechen viele Christen in Syrien Aramäisch, die Muttersprache Jesu. Doch die Proteste gegen die Regierung von Präsident Bashar al-Assad und deren gewaltsame Niederschlagung haben die christliche Gemeinde in eine schwierige Lage gebracht. Sunnitische Rebellen sehen in ihnen Anhänger des Assad-Regimes. In der umkämpften Millionenstadt Aleppo werden sie von vorrückenden islamistischen Mudschaheddin ins Visier genommen.

Christen in Not: Sie sind Geiseln Assads und stehen im Visier der islamistischen Rebellen - die Lage der syrischen Christen wird immer schwieriger.

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   Christen in Not: Sie sind Geiseln Assads und stehen im Visier der islamistischen Rebellen – die Lage der syrischen Christen wird immer schwieriger.

Bis vor wenigen Monaten gehörte Syrien zu den Ländern in der islamischen Welt, in denen die christliche Bevölkerungsgruppe am ehesten so etwas wie Gleichberechtigung erfuhr, wo christliches Leben relativ ungestört möglich ist, wo Kirchen gebaut werden dürfen und wo die Heiligen Orte des Christentums auch von Muslimen respektiert und besucht werden.

Die syrische Verfassung garantiert nominell Religionsfreiheit, das Amt des Staatspräsidenten ist jedoch ausschließlich den Muslimen vorbehalten. Dennoch zeigte sich das marxistisch beeinflusste syrische Regime unter der Baath-Partei als tolerant gegenüber religiösen Minderheiten, einschließlich der Christen und Juden. Christliche Kirchen sind anerkannt. Auch ein Gründungsmitglied der Baath-Partei, Michel Aflaq, war Christ.

Nun könnte sich die Lage der Christen dramatisch verschlechtern. Die Christen standen der im März 2011 begonnenen Freiheitsbewegung von Anfang an eher skeptisch gegenüber. Von den vorrückenden Rebellen befürchten sie eine Islamisierung und eine Verschlechterung ihrer Lage. Das Regime des Diktators Assad hat dies brutal ausgenutzt, indem es offenbar Gewalt zwischen den religiösen Gruppen schürte und damit versuchte, unter anderen die Christen auf Leben und Tod an den Fortbestand der Diktatur zu binden. Die Rebellen wiederum tragen den Bürgerkrieg bewusst in die christlichen Wohnviertel.

Christliche syrische Mädchen beim Ostergottesdienst in in Damaskus.

Foto: ddp
   Christliche syrische Mädchen beim Ostergottesdienst in in Damaskus.

Im Kampf um die Millionenstadt Aleppo kämpfen nun islamistische Mudschaheddin und andere muslimische Fundamentalisten an vorderster Front gegen die Truppen Präsident Assads. Für die dreihunderttausend Christen Aleppos würde eine Machtübernahme dieser islamistischen Gruppen keine Befreiung bedeuten, im Gegenteil, sie müssen um ihr Leben fürchten. Zehntausende sind bereits über die Grenze nach Jordanien geflohen.

Aber bereits vor dem Bürgerkrieg hat in Syrien der konservative und strenger ausgelegte Islam an Einfluss gewonnen. Salafitische und wahhabitische Tendenzen nahmen immer weiter zu – mithilfe von »Missionaren« aus Saudi-Arabien, welche weltweit den wahren Islam ausbreiten wollen. Zu diesen Gruppen zählen auch die syrischen Muslimbrüder. Dies war ein Grund für viele Christen, auszuwandern. Zahlreiche Christen verließen das Land, vor allem in Richtung Amerika, aber auch in den Libanon und nach Schweden.

Noch vor einem Vierteljahrhundert stellten die Christen knapp 15 Prozent der Bevölkerung, ihr Anteil ist auf mittlerweile fast 10 Prozent geschrumpft. Die Regierung ist dennoch bemüht, religiösen Fundamentalismus klein zu halten – mit teils drastischen Methoden wie 1982 in Hama, wo ein Aufstand der Muslimbruderschaft unter Einsatz der syrischen Luftwaffe niedergeschlagen wurde.

Bekehrung des Saulus, Michelangelo, 1542. Fresko in der Capella Paolina in Rom.

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   Bekehrung des Saulus, Michelangelo, 1542. Fresko in der Capella Paolina in Rom.

Wer sind die Christen in Syrien? Gemeinsam mit Israel, Jordanien und dem Libanon bildet Syrien die Region, in der vor 2000 Jahren das Christentum entstanden ist und in der es seitdem immer Christen gegeben hat. Syrien hat dabei eine ganz besondere Rolle gespielt. Es ist zwar das einzige der vier urchristlichen Länder, das Jesus nach dem Bericht der Evangelien nicht mit eigenen Füßen betreten hat.

Dafür ist Syrien das Land, in dem das Christentum zuerst als eine neue, eigenständige Religion neben seiner jüdischen Mutterreligion erkennbar wurde und in dem sogar das Wort »Christen« erfunden wurde ( Apostelgeschichte 11, 26). Die Christen in Syrien werden auch Aramäer, Assyrer oder auch Chaldo-Assyrer genannt und sprechen zum Teil noch Aramäisch, die Sprache, die auch Jesus gesprochen hat.

Nahe der heutigen syrischen Hauptstadt Damaskus wurde Paulus durch eine Vision des auferstandenen Christus zum Apostel der Völker berufen. In Damaskus selbst wird bis heute das Haus des Jüngers Hananias gezeigt, der Paulus getauft hat. Eine zweite heilige Stätte des Christentums in Damaskus erinnert an die Flucht des Paulus über die Stadtmauer, von der er selbst in  2. Korinther 11, 32-33berichtet.

Das eigentliche Zentrum des syrischen Christentums zur Zeit des Neuen Testaments wurde Antiochia, die damalige Hauptstadt der römischen Provinz Syrien. Dieser Ort gehört heute zur Türkei, seit die Region 1939 von Syrien abgetrennt wurde. In Antiochia war es, dass die jüdische Bewegung der Anhänger Jesu dazu überging, in größeren Zahlen nichtjüdische Menschen für den Glauben an Christus zu gewinnen und dadurch das Christentum zu einer Religion für alle Völker zu machen.

In Antiochia hat Paulus einige Jahre gelebt und eine heftige Auseinandersetzung mit Petrus geführt über die Stellung der neuen, nichtjüdischen Mitglieder der Gemeinde ( Galater 2, 1-14). Im Auftrag der Gemeinde von Antiochia wurde Paulus zu seinen Missionsreisen ausgesandt, die ihn nach Zypern, durch das Gebiet der heutigen Türkei und nach Griechenland führten – schließlich auch als Gefangener in die Reichshauptstadt Rom.

Syrien gehörte jahrhundertelang zu den Kernländern des Christentums. Wichtige Beiträge zur Entwicklung der christlichen Lehre und des christlichen Gottesdienstes wurden dort geleistet. Eine Reihe von bedeutenden Kirchen- und Klostergebäuden zeugen bis heute von der Blütezeit des syrischen Christentums, aber auch drei Kirchenruinen, die noch aus der Zeit des verfolgten Christentums vor der Konstantinischen Wende stammen.

Große syrisch-orthodoxe Gemeinden trifft man im Nordosten Syriens. Im Ort Maalula an einem Berghang des Antilibanon gibt es ein Kloster, das angeblich aus frühchristlicher Zeit stammt. Ganz im Nordwesten Syriens weisen Ruinen von rund 700 frühbyzantinischen Siedlungen mit großen Kirchen- und Klosterbauten aus dem 4. bis zum 7. Jahrhundert auf eine einst blühende Kulturlandschaft und ein Zentrum der Gelehrsamkeit hin. Dieses heute verkarstete Kalksteinbergland heißt Land der toten Städte und gilt als eine Wiege des Christentums.

1291 wurden die letzten fränkischen Burgen erobert

Ab 395 gehörte das Land zum oströmischen Reich. Die byzantinische Basilika des Simeonsklosters, arabisch Kalat Siman, 476 bis 490 erbaut, gehört zu den am besten erhaltenen Bauwerken der frühchristlichen Kunst. Hier wird an den Säulenheiligen Symeon Stylites den Älteren erinnert, der zu den christlichen Asketen gehört und von 422 bis zu seinem Tod 459 betend, fastend und predigend auf einer Säule lebte.

Die Araber, die 636 das byzantinische Reich am Jarmuk besiegt hatten, eroberten das Land. Das Land wurde nach und nach arabisiert und islamisiert. Von 1098 bis 1268 gehörte der westliche Landesteil Syriens dann zum christlichen Kreuzritter-Fürstentum Antiochia. Der islamische Machthaber Saladin und seine Nachfolger unterhielten teils friedliche, teils kriegerische Beziehungen zu den christlichen Franken.

Die Mamelucken eroberten 1291 schließlich die letzten fränkischen Besitzungen in Palästina und Syrien. Mehr als ein Dutzend zum Teil gut erhaltene Burgen und Schlösser erinnern an die Zeit der Kreuzzüge. Am besten erhalten ist die mächtige Befestigungsanlage Crac des Chevaliers. Sie gilt als Urtyp der Ritterburg, weithin sichtbar auf einem Berg gelegen, mit trutzigen Mauern, hohen Wehrtürmen an jeder Ecke, einem nahezu unüberwindlichen Burggraben, großen Pfeilerhallen im Inneren der Anlage, mit Rittersälen, unterirdischen Gewölben und Geheimgängen, mit tiefen Brunnenschächten und tristen Kerkern. Selbst Saladins List reichte nicht aus, den Crac zu erobern.

Syrien war einmal ein vollständig christliches Land. Man kann nur hoffen, dass diese Geschichte nicht im 21. Jahrhundert mit Gewalt zu Ende geht.

http://www.sonntagsblatt-bayern.de/news/aktuell/2012_32_01_01.htm

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 7. August 2012 von in Artikel über Aramäer.

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