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Mitteilung des Obersten Kirchenrats der Russischen Orthodoxen Kirche zum Gerichtsurteil über die Personen, welche den geweihten Bereich der Christus-Erlöser-Kathedrale geschändet haben

18. August 2012
Im Bezug auf die Entscheidung des Stadtbezirgsgerichts Chamownitscheskij in der Sache des öffentlichen Ärgernisses in der Christus-Erlöser-Kathedrale hat der Oberste Kirchenrat der Russischen Orthodoxen Kirche eine Erklärung abgegeben.

Der Oberste Kirchenrat erachtet es für wichtig, die Position der Kirche in Bezug auf den gotteslästerlichen Vorfall in der Christus-Erlöser-Kathedrale noch einmal darzulegen, ebenso bezüglich des ergangenen Urteils.

Während wir die Notwendigkeit einer entsprechenden Reaktion von staatlicher Seite anerkennen, möchten wir doch die Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass eine juristische Bewertung des Vorfalls außerhalb der Zuständigkeit der kirchlichen Obrigkeit liegt. Die Festlegung des Umfangs von Vorbeugungs- und Strafmaßnahmen fällt in die ausschließliche Kompetenz des weltlichen Gerichts. Die Kirche hat keinerlei Machtmittel, um damit einen Einfluß auf die Rechtssprechung zu nehmen und strebt es auch nicht an, solche zu erhalten. Ebenso betrachten wir das Vorgefallene nicht vom juristischen oder von ästhetischen Standpunkt. Die pastorale Pflicht der Kirche ist es, eine geistliche und moralische Einschätzung dessen abzugeben, was vorgefallen ist.

Das Vorgefallene ist Gotteslästerung und Frevel, eine bewußte und gezielte Schmähung von Heiligtümern, eine Demonstration äußerster Feindseligkeit gegenüber Millionen von Menschen und ihren Gefühlen. Deshalb kann man sich unter keinen Umständen damit einverstanden erklären, das in der Kathedrale vorgefallene Spektakel als Gebet zu betrachten, welches auf eine untraditionelle Art und Weise vorgetragen wurde. Leider haben solche Versuche viele Menschen desorientiert, einschließlich von Mitgliedern der Kirche, welche in Unwissenheit darüber verharren, welche lästerlichen und niederträchtigen Worte auf dem Ambo der Christus-Erlöser-Kathedrale zu hören gewesen sind. Das öffentliche Ärgernis in der Kirche war die Fortsetzung von zutiefst amoralischen öffentlichen Aktionen, welche früher von denselben Personen und ihren Gefährten vollzogen wurden und ungestraft geblieben sind.

Gotteslästerung stellt eine schwere Sünde dar. Ein orthodoxer Christ kann keinen Teil an einer Gotteslästerung haben, er kann sie nicht gutheißen, kann sie weder direkt noch indirekt befürworten.

Es besteht ein Unterschied zwischen Sünden wider den Menschen und Sünden wider Gott. Wenn ein Christ als Person Opfer geworden ist, so ist er dazu angehalten, demjenigen zu vergeben, der gegen ihn gesündigt hat. Doch die Vergebung einer Sünde gegen Gott ist unmöglich, ohne dass es den Sünder aufrichtig reut. Im Evangelium lesen wir, dass Christus denen vergab, die Ihn als Mensch angefeindet haben, gleichzeitig aber warnte Er vor der Sünde wider den Heiligen Geist: “Wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung ewiglich, sondern ist schuldig des ewigen Gerichts” (Mk 3:29). Die Gotteslästerung ist das Hauptmerkmal eines Feindes Gottes, wie er in der Offenbarung beschrieben wird: “…und tat seinen Mund auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern Seinen Namen und Seine Hütte und die im Himmel wohnen.” (Offb 13:6).

Es wäre eine Anmaßung der Kirche, im Namen Gottes demjenigen Vergebung auszusprechen, der seine Gotteslästerung nicht vor Gott bereut – sie nähme eine Macht in Anspruch, die ihr nicht gegeben ist. “Wenn jemand wider einen Menschen sündigt, so kann’s der Richter schlichten. Wenn aber jemand wider den HERRN sündigt, wer kann für ihn bitten?” (1 Sam 2:25). Reulose Sünder werden dem Gericht Gottes überantwortet: “Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der HERR” (Deut 32:35; Röm 12:19).

Ärgernisse in Kirchen, die Schändung von Heiligtümern des Volkes und der zur Schau gestellte Haß gegen die Kirche sind aus der Geschichte gut bekannt. Solche Handlungen waren immer charakteristisch für Kräfte, die den Völkern weder Frieden, noch Gutes, noch Freiheit gebracht haben. Im 20. Jahrhundert hat der Haß auf die Religion, genau wie ethnischer Haß, Millionen von Menschenleben gefordert. Unser Volk ist durch die Prüfungen der militanten Gottlosigkeit und der faschistischen Aggression gegangen. Das war uns eine tragische Lehre, die eine besondere Sensibilität gegenüber der Schmähung religiöser und nationaler Gefühle in uns herangebildet hat. Deshalb geht das Schüren von religiösem und ethnischem Haß in unserer Gesellschaft immer mit der Gefahr zerstörerischer Erschütterungen einher.

Es ist unmöglich, die Grundfesten der Gesellschaft bewahren zu wollen, ohne die zu ehren, die für das Vaterland gefallen sind. Gotteslästerungen in einer Kirche, die zum Andenken an die 1812 gefallenen russischen Soldaten errichtet worden ist, sind zum Zeitpunkt des 200. Jubiläums ihrer ehrenhaften Taten besonders provokativ. Es ist die Aufgabe des Staates, der seine Bürger achtet, Schmähungen des religiösen Gefühls, Lästerungen von religiösen Heiligtümern und Spott über Kulturdenkmäler nicht zuzulassen. Der nun geschaffene juristische Präzedenzfall muss die Wiederholung solcher Handlungen in Zukunft verhindern.

Ohne die Rechtmäßigkeit des Gerichtsurteils in Frage zu stellen, wenden wir uns mit der Bitte an die staatliche Macht, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten Barmherzigkeit gegen die Verurteilten walten zu lassen, in der Hoffnung darauf, dass sie von Wiederholungen solcher gotteslästerlichen Handlungen absehen.

Die Kirche dankt allen, die sie unterstützt, die Gotteslästerung verurteilt und friedlichen Protest dagegen gezeigt haben. Auch wir empfinden das Mitleid gegenüber den Inhaftierten, das sowohl von den Kindern der Kirche, als auch von anderen Leuten ausgeht, als natürlich. Es ist notwendig, Sünde und Sünder auseinanderzuhalten, erstere zu verurteilen und auf die Reue des letzteren zu hoffen. Gott sucht immer das Heil der Sünder und ruft sie zur Reue. Auch die Kirche strebt die Versöhnung und die Heilung der Wunden an, welche durch Schmähungen und Feindseligkeiten zugefügt worden sind.

Die Kirche wendet sich an die Menschen, deren religiöse und nationale Gefühle sowohl durch die Schmähungen, als auch durch die ihnen nachfolgende propagandistische Kampagne verletzt worden sind und ruft sie dazu auf, sich von jeglichen Racheversuchen, von jeglicher Art gesetzeswidriger, besonders aber von gewaltsamen Handlungen zu enthalten, und segnet gleichzeitig friedliche zivile Aktionen, die dazu dienen, das orthodoxe Volk und dessen Heiligtümer vor Feindseligkeiten und Schmähungen zu bewahren.

Wir bitten alle treuen Kinder der Russischen Orthodoxen Kirche, den Geist des Friedens und das Gebet zu Gott aufrecht zu erhalten.

patriarchia.ru

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20. August 2012 von in Sonstiges, Völkermord - Christenverfolgung.

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