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Syrische (Aramäische) Christen in Not

Syrische Christen in Not
Zwischen den Frontlinien im Bürgerkrieg
Während der Bürgerkrieg in Syrien immer grausamer wird, wächst in der christlichen Minderheit im Land die Angst zwischen die Fronten von Alawiten, Sunniten und Kurden zu geraten. Einem Team von report MÜNCHEN ist es im Nordosten Syriens gelungen, sich ein eigenes Bild der dramatischen Lage zu machen.

Autor: Stefan Meining
Stand: 28.08.2012

report MÜNCHEN: Syrische Christen in Not: Zwischen den Frontlinien im Bürgerkrieg
Bei Einbruch der Dunkelheit überschreiten wir heimlich die syrisch-irakische Grenze. Wir wollen uns mit Vertretern der christlichen Minderheit treffen. Wollen wissen, wie es um die Christen in diesem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land steht. Wir haben keinen syrischen Stempel in unseren Pässen, benutzen daher Nebenstraßen, staubige Pisten.

Unser Reiseziel ist Qamishli – ein Zentrum der Christen, vor allem jedoch: eine Hochburg der Kurden. Ein politisches Pulverfass, das die gesamte Region zum Explodieren bringen könnte. Denn die syrischen Kurden fordern Autonomie.

Die Siedlungsgebiete der Kurden – hier grün markiert – liegen in verschiedenen Staaten. Und das syrische Qamishli liegt genau im Dreiländereck Syrien -Türkei – Irak .

Nicht weit von Qamishli entfernt, tobt der Bürgerkrieg – wie hier in Aleppo. Mittendrin: die Christen. Wir machen uns wieder auf, treffen einen christlichen Studenten.

Der junge Mann überlebte vor wenigen Wochen die Kämpfe in Homs im Westen Syriens. Am Rande einer Anti-Assad Demonstration in Damaskus wurde er verhaftet, hörte im Gefängnis die Schreie der Gefolterten. Jetzt will er unerkannt bleiben – aus Angst.

Student: „Sie – die Christen – möchten einfach in Frieden leben. Sie gehören keiner Seite an. Sie haben keine Waffen, um sich zu wehren. Ihre einzige Waffe ist das Gebet.“

Doch genau das ist das Dilemma der christlichen Minderheit in Syrien: Sie werden womöglich zwischen den Machtblöcken der Alawiten, Sunniten und Kurden zerrieben.

Am nächsten Morgen besuchen wir den Gottesdienst in der syrisch-orthodoxen Kirche St. Jacob. Einst war Qamishli eine Stadt mit einer christlichen Mehrheit. Doch in den letzten Jahrzehnten haben immer mehr Christen ihre alte Heimat vor allem Richtung Europa verlassen.

Tatsache ist aber auch: trotz aller politischer Unterdrückung herrschte in Syrien unter Assad eine gewisse Form von Religionsfreiheit.

So erklärt sich, dass die einzige Gottesdienstbesucherin, die mit uns spricht, gegen die Rebellen ist.

Christin: „Bei allen Geheiligten und Gesegneten, beim Heiligen Jakob, möge er diese Verbrecher, diese Bewaffneten besiegen. Wir hoffen auf eine bessere Zukunft. Damaskus ist unsere Heimat. Das ist auch christliches Land. Wir werden nicht davon ablassen. Wir werden in unserem Land bleiben.“

In der Nähe der Jakobskirche besuchen wir die Parteizentrale der Union Syrischer Christen. Hier fürchtet man, dass das Land im Chaos versinkt.

Ishu Gevriye, Vorsitzender Syriac Union Party Syria: „Je mehr die Situation in Syrien eskaliert, desto mehr werden sich die Radikalen in Syrien vermehren. Die aktuelle Lage hat diesen Radikalen das Tor geöffnet. Und ja, so eine Entwicklung macht uns große Angst.“

Im Gegensatz zu den eher moderateren Tönen der Christen demonstrieren kurdische Organisationen Stärke und Entschlossenheit. Noch wird in Qamishli nicht gekämpft.

Aus dem Lautsprecherwagen tönt es: „Liebe Mitbürger, wir hoffen, dass alle bereit sind, die Vertreter der Parteien, die Mitglieder des Rates, die Frauenbewegung.“

Wir beobachten eine professionell organisierte Kundgebung der Kurden. Mit dabei: Sympathisanten der kurdischen Arbeiterpartei PKK. Sie schwenken Transparente mit dem Bild des zu lebenslanger Haft verurteilten Parteiführers Abdullah Öcalan. Für die EU ist Öcelans PKK eine Terrororganisation, für viele Kurden scheint er Hoffnungsträger zu sein.

Immer wieder hören wir den Ruf „Yekiti“ „Yekiti“ – zu deutsch: „Einheit“. Allem Anschein nach wollen die Kurden die Schwäche des Assad-Regimes ausnutzen und ihre Forderungen nach politischer und kultureller Autonomie durchsetzen.

Genau das könnte in der Region ein politisches Erdbeben auslösen.

Erst vor kurzem verübten Terrorkommandos im Kurdengebiet – auf der türkischen Seite – Anschläge, dabei wurden mehrere türkische Soldaten getötet. Die Regierung verdächtigt die kurdische PKK.

Im syrischen Qamishli sind wir unterwegs zu einer kurdischen Hinterhofschule – auch hier hängt ein Bild des inhaftierten PKK-Führers Öcalan an der Wand.

Aldar Xelil ist Vorstand im Hohen Kurdischen Rat. Er lebt im Untergrund, heißt es. Zur Rolle der PKK erfahren wir nur so viel:

Oton: Aldar Xelil, Vorstand im Hohen Kurdischen Rat: „Als Organisation ist die PKK hier nicht vertreten. Aber die Kurden achten alle sehr darauf, wenn die PKK sich äußert. Dann sagen alle: die PKK sagt dazu das und das… Solche eine ernsthafte Wahrnehmung gibt es deshalb, weil sie wissen, dass sich die PKK im revolutionären Kampf der Kurden befindet.“

Direkt gegenüber von Qamishli liegt die türkische Grenzstadt Nusaybin. Die Türkei hat die Grenzkontrollen verschärft – auch aus Angst vor dem Eindringen syrisch-kurdischer Extremisten.

Wie lange wird die Türkei das Treiben der Kurden noch hinnehmen?

Und was geschieht dann mit den Christen?

Das Kloster Safran liegt auf der türkischen Seite, nur wenige Kilometer von Qamishli entfernt.

Seit annähernd fünfzehnhundert Jahren wird hier in aramäisch – der Sprache Jesu Christi – gesungen und gebetet.

Erzbischof Özmen bringt die schwierige Lage der syrischen Christen auf den Punkt:

Philoxenos Saliba Özmen, Syrisch-Orthodoxer Erzbischof von Mardin: „Wir sehen, dass die anderen Gemeinschaften, die Sunniten, die Alawiten eine Nation hinter sich haben. Sie haben einen Rückhalt. Wir, die Suryoye, die Christen, haben keinen Rückhalt, das ist unser Problem.“

Mit einem mulmigen Gefühl verlassen wir das Dreiländereck Türkei, Syrien, Irak – ein politisches Pulverfass – und mittendrin die Christen.

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zum Download Syrische Christen in Not

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. August 2012 von in Völkermord - Christenverfolgung.

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