ARAMEAN YOUTH UNION – Junge Aramäische Union

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Warum haben wir einen türkischen Namen?

Warum haben wir einen türkischen Namen?

Ein Bericht von Simon Jakob (Integrationsbeauftragter der Syr.-Orth. Kirche Deutschland)

Was bedeutet es, frei seinen Namen tragen zu dürfen?
Christen in der Türkei war es verboten, ihre Jahrhunderte alten Namen tragen zu dürfen. Und dies bis weit in das letzte Jahrhundert.
Das Gesetz 2525, am 02.01.1935 in der Türkei in Kraft getreten, erlaubte es dem Nato–Land und EU– Beitrittskandidat bis in die Gegenwart, Menschen dazu zu zwingen, nur türkische Namen anzunehmen.
Eine Abhandlung zum Thema wie folgt: http://old.bethnahrin.de/Startseite/…saenderung.pdf
Sagte der türkische Staatsminister nicht vor kurzem, dass Assimilation ein Verstoß gegen die Menschlichkeit sei?
An sich ist Assimilation, unter Bewahrung der kulturellen Identität, aber zwecks Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft, nur eine freiwillige Integration in eine Wertegesellschaft.
Aber, der Zwang sich einem Namensdiktat zu unterwerfen, ist ein Verstoß gegen die Menschlichkeit!
In Deutschland darf ich mich nennen wie ich will. Ob Huber, Mayer, Schmidt, Demir, Altin, Giovanni, Miller, es ist egal. Niemand wird dafür bestraft.
Ganz anders in der Türkei.
Aufgrund des oben erwähnten Gesetzes, mussten z. B. die Angehörigen der Syr.-Orth. Konfession türkische Namen annehmen, mit dem Ziel, die eigene Identität auszulöschen. Dies galt im Übrigen auch für die Angehörigen anderer Ethnien, wie z.B. der Kurden.
Da ich bis zu meinem zweiten Lebensjahr in der Türkei lebte, erging es mir nicht anders. In Deutschland angekommen, musste ich mich mit einem türkischen Vor- und Zunamen zurechtfinden.
Erst als Jugendlicher ist mir bewusst geworden, warum viele Kinder in unseren Gemeinden zwei Namen hatten. Oder, weshalb Familien immer mit dem christlichen, nicht türkischen Namen angesprochen wurden.
Ich forschte nach und stieß auf den oben erwähnten Gesetzestext. Tief in mir brach eine Art Wut aus. Wut, weil man versucht hatte, mir und meiner Ethnie die Identität zu nehmen. Wut, weil dies leider auch in vielen Fällen möglich war.
Namen sind nun mal ausschlaggebend, wenn es darum geht, in einer heterogenen Gesellschaft eine Identität zu bewahren. Namen spiegeln das reichhaltige, farbliche Spektrum einer Gesellschaft wider.
Mit 16 Jahren, also 1996, nahm ich die deutsche Staatsbürgerschaft an. Hier bot sich nun eine einmalige Möglichkeit an. Mit einem wichtigen Anliegen ging ich zu meinem Vater und erklärte diesem, dass ich unseren Familienamen als auch meinen Vornamen zu ändern wünschte. Die Erklärung bestand darin, dass ich das Unrecht beiseiteschaffen wollte, welches unserer Ethnie widerfahren ist. Mein Vater gab sofort sein Einverständnis und ich setzte mich mit der Regierung in Schwaben in Verbindung, die für Namensänderungen zuständig war.
Erstaunt fragte mich die nette Sachbearbeiterin warum ich dies denn machen wolle. Daraufhin nahm ich mir ein paar Tage Zeit, und schrieb einen Aufsatz über meine Gründe.
Den Inhalt kann ich in zwei Punkten zusammenfassen.

1) In einem unfreien Land ist uns Unrecht widerfahren
2) In einem freien Land möchte ich dieses Unrecht revidieren

Mag sein, dass es an meinem jugendlichen Übermut gelegen hat, oder einfach nur daran, dass ich wahrscheinlich der erste Antragsteller in Schwaben war, der um eine Namensänderung bat, ich weiß es nicht. Doch bekamen ich und meine Familie kurze Zeit später die Genehmigung.
Nun hätte ich den Familiennamen, der im syrisch–aramäischen „meh Yahkup“, also „von Jakob“ heißt, ebenfalls in der Ursprungssprache behalten können.
In Deutschland!
Doch sah ich darin keinen Sinn. Mit Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit, wurde ich auch Deutscher. Freiwillig und ohne jeden Zwang!
Sollte ich da nicht auch bereit sein, meinen Namen der europäischen Norm anzupassen?
Aus „meh Yahkup“ wurde Jacob.
Ich bin mehr als glücklich darüber, damals diese Entscheidung getroffen zu haben. Hatte ich dadurch meinen inneren Frieden gefunden, und ein Stück Unrecht wieder gut gemacht.
Und dies machte ich aus vollem Herzen freiwillig!
Resultierend daraus, ist freiwillige Assimilierung kein Verstoß gegen die Menschlichkeit!
Zwangsnationalisierung allerdings schon!
Ich würde nun gerne wissen, wie Politiker in der Türkei den Verstoß gegen die Menschlichkeit unter dem Aspekt des Gesetztes „2525“ betrachten!
Auch als Nichtjurist würde ich behaupten, dass das Gesetz ein Fall für den Gerichtshof für Menschenrechte ist.
Aber, überlassen wir das lieber den Politikern, die solche Verstöße eher in einem frei–liberalen Land wie Deutschland zu finden glauben.
Leider gibt es bezüglich der Möglichkeit, diese Ungerechtigkeit, welche unserer Ethnie widerfahren ist, inzwischen massive Einschränkungen. Ausgerechnet durch ein Gericht in Augsburg, praktisch in meiner Geburtsstadt, wurde diese Möglichkeit aufgrund einer falschen Auskunft beim VG Augsburg und damit einhergehend durch ein falsches Urteil, zunichte gemacht oder stark eingeschränkt.
Dieses Urteil findet sich auch in der folgenden Abhandlung wieder.
http://old.bethnahrin.de/Startseite/…saenderung.pdf
Letzten Sonntag, während unseres Integrationsgottesdienstes und der anschließenden Podiumsdiskussion mit Herrn Martin Neumeyer, wurde das Thema noch einmal angesprochen. Ist die Identifikation durch den Namen doch auch Teil eines Integrationsprozesses.
Ich freue mich nun auch mitteilen zu können, dass Herr Martin Neumeyer, MdL und seines Zeichens für die Themen der Integration in Bayern zuständig, sich um unser Anliegen gekümmert hat.
Für dieses beispiellose Handeln gebührt ihm unser Dank. Zeigt er doch, dass er ein Bewusstsein darüber entwickelt hat, was das Thema Integration überhaupt bedeutet.
Nicht nur der Einsatz für unser Problem sollte in erster Linie gelobt werden, sondern der Blick hinter den Kulissen einer vielschichtigen Gesellschaft. Leider tragen viele Menschen in Deutschland die Bezeichnung „Integrationsbeauftragter“, die genau diesen Blick in die Tiefe vermissen lassen.
Sich die Mühe zu machen und auch die Probleme zu erkennen und anzugehen, sollte genau die Aufgabe eines Integrationsbeauftragten sein. Unabhängig davon welcher Religion, Kultur oder Ethnie wir alle angehören. Leben wir doch alle unter ein und demselben Wertekanon!
Ich bitte euch alle darum, die Integrationsbeauftragte Frau Maria Böhmer anzuschreiben, um sie auf die Situation aufmerksam zu machen.
integrationsbeauftragte@bk.bund.de
Kontaktiert bitte auch die Integrationsbeauftragten der einzelnen Bundesländer. Diese sollten sich bewusst werden, wie Integrationsarbeit in Bayern vonstattengeht.
Viele außerhalb Bayerns kritisieren die Ursprungsheimat von Laptop und Lederhosen, Weißwurst und Weißbier, FC–Bayern und München.
Begründet? Nein !
Ein Blick in den Länderfinanzausgleich spricht Bände. Die Kriminalstatistik ist mit die niedrigste in der ganzen Republik. Die Staatsverschuldung tendiert gegen Null. Deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund sind hier überdurchschnittlich gut integriert.
Kritik ist oftmals das Resultat der eigenen Fehlentwicklung. Es tut weh dies zu akzeptieren. Genauso wie es weh tut zu sagen, dass es Parallelgesellschaften mit einer eigenen Rechtsauffassung gibt. Oder, dass der arabische Frühling doch nicht zur Demokratie geführt hat, wie es sich die Romantiker in diesem Land vorgestellt haben.
Aber das Wehtun hat auch etwas Positives. Es fördert Veränderungen. Scheinbar tut es noch nicht genug weh!

Euer Simon Jacob

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Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. September 2012 von in Arbeitskreis JAU, Artikel über Aramäer, Junge Aramäische Union.

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Der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern, über 500.000 Aramäern und anderen christlichen Minderheiten, die Straflosigkeit der Täter, wird von Historikern als Blaupause für den Holocaust und weitere Völkermorde bezeichnet. Bereits Adolf Hitler sagte bei seiner zweiten Rede vor den Oberkommandierenden auf dem Obersalzberg am 22. August 1939 „Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“. Die Leugnung eines Völkermords und die Straflosigkeit der Täter stellt einen Nährboden für weitere Völkermorde dar, welche heute immer noch stattfinden! Stoppt die Leugnung von Völkermorden und die Verunglimpfung der Opfer durch die Täter und ihre Nachfahren!

Yes, You Can Say ‘Genocide,’ Mr. Prim Minister Erdogan!

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