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Syrien: Die Weltkultur brennt

von , Hakan Baykal

In Trümmern. In der stark beschädigten Umayyaden-Moschee von Aleppo steht am 14. Oktober ein syrischer Aufständischer. Foto: AFP
In Trümmern. In der stark beschädigten Umayyaden-Moschee von Aleppo steht am 14. Oktober ein syrischer Aufständischer. – Foto: AFP

In Aleppo, Palmyra und an anderen Stätten wird das historische Erbe Syriens zwischen den Fronten des Bürgerkriegs aufgerieben. Nach dem historischen Basar brannte jetzt auch die Umayyaden-Moschee in Aleppo. Archäologen sprechen von katastrophalen Verlusten.

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Die Bilder, die derzeit aus Aleppo eingehen, sind so grausam, dass man sie nicht zeigen kann. Die Kämpfe haben das Herz der Stadt erreicht, die syrischen Regierungstruppen bombardieren die Stadt, schießen mit Artillerie in die Wohngebiete der Altstadt – mit verheerender Wirkung. In den engen Schluchten der Gassen irren traumatisierte Menschen umher, grau von Staub wie nach 9/11, Eltern trauern um tote, zerfetzte Kinder. Aber Syrien verliert nicht nur Menschenleben, sondern auch wertvolle, unersetzliche Kulturgüter. Zuletzt hatten sich syrische Rebellen sogar in der Umayyaden-Moschee verschanzt, dem bedeutendsten mittelalterlichen Sakralbau Syriens.

Die Kämpfer hatten den Schutz der dicken Moscheemauern gesucht, und die Regierungstruppen beschossen sie mit Artillerie. Die Fotos der am 13. Oktober ausgebrannten Moscheeräume sind entsetzlich. Es hatte zuvor schon im historischen Basar gebrannt, nun die Umayyaden-Moschee, die kleine Schwester der berühmten Moschee in Damaskus und neben der Zitadelle das Wahrzeichen Aleppos. Das schlanke, 45 Meter hohe Minarett ist Ausdruck einer eigenen syrischen Kunstform im Mittelalter, die sich von den Vorgaben aus Irak absetzt. Als säkularer Staat gestattete Syrien auch Nichtgläubigen den Besuch der Moschee, deren Innenhof immer voller Leben war. Ein Ort des Friedens und der Toleranz.

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Man könne die Zerstörung historischer Gebäude nicht mit der menschlichen Tragödie im Land vergleichen und die beiden Auswirkungen des Konflikts nicht gegeneinander aufwiegen, sagt auch Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin. Dennoch dürfe man den immensen Verlust des syrischen Kulturerbes nicht kleinreden oder relativieren, sagt Weber. „Die Schäden in Aleppo und in anderen Städten sind eine Katastrophe.“ Syriens Kulturschätze sind seit Beginn des Konflikts im Frühjahr 2011 akut gefährdet oder bereits zerstört. Sie lodern in den Flammen des Schlachtengetümmels, zerbersten im Artilleriefeuer, werden von Panzerketten zermalmt, in Schützengräben gestürzt, achtlos gesprengt. Was nicht den unmittelbaren Kampfhandlungen zum Opfer fällt, wird zur Beute organisierter Plünderer und des illegalen Kunst- und Antikenhandels. Jahrtausendealte Zeugen nicht der syrischen, sondern der Menschheitsgeschichte gehen für immer verloren.

Für die Syrer ist dies ein Raub an der Vergangenheit ihrer Heimat – und an der Zukunft. Das Land erwirtschaftete vor dem Bürgerkrieg mehr als ein Zehntel seiner Einnahmen aus dem Fremdenverkehr, vor allem aus dem Kulturtourismus. Sechs Weltkulturerbestätten der Unesco befinden sich in Syrien und darüber hinaus zehntausende weitere antike und historische Stätten. Die Neolithische Revolution dürfte vor rund 10 000 Jahren unter anderem hier ihren Ausgang genommen haben. Sumerer, Aramäer, Nabatäer, Hethiter, Ägypter, Phönizier, Griechen, Römer, Byzantiner, Perser, Araber und Osmanen hinterließen ihre Spuren. Der spätere Missionar des Urchristentums, Paulus von Tarsus, bekehrte sich in Damaskus zu Jesus.

Viele Zeugnisse dieser einzigartigen Geschichte drohen nun zu verschwinden – für immer zerstört, geraubt, verschoben zu werden. Im Frühjahr veröffentlichte Emma Cunliffe, Archäologin an der englischen Durham University, einen Bericht über das Ausmaß der Schäden. Da es ausländischen Archäologen und Journalisten seit Ausbruch des Bürgerkriegs kaum oder gar nicht möglich ist, sich in Syrien selbst ein Bild von der Lage zu machen, war die Wissenschaftlerin auf private Kontakte und auf Informationen im Internet angewiesen. Manche der Quellen sind dabei schwer einzuschätzen und kaum zu verifizieren. Als relativ unabhängige Quelle erwies sich, erklärt Cunliffe, vor allem die Gruppe „Le patrimoine archéologique syrien en danger“ (Das archäologische Erbe Syriens in Gefahr), die aktuelle Berichte, hauptsächlich aber Fotos und Videos aus Syrien auf Facebook veröffentlicht.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. Oktober 2012 von in Artikel über Aramäer, News aus aller Welt, Völkermord - Christenverfolgung.

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