ARAMEAN YOUTH UNION – Junge Aramäische Union

We are the future!

„Wir haben unsere Wurzeln mitgebracht“

 

Jann Anderegg, Anja Reiß, Josip Juratovic und Daniyel Demir (v.l.) stellten sich nach der Filmpräsentation den Fragen. Foto: heb
Jann Anderegg, Anja Reiß, Josip Juratovic und Daniyel Demir (v.l.) stellten sich nach der Filmpräsentation den Fragen. Foto: heb

Von Sabine Hebbelmann

Leimen. Aramäer sind die einzige christliche Gemeinschaft, in der noch die Sprache Jesu gesprochen wird, und die nordmesopotamische Region Tur Abdin war einst ihr Zentrum. Seit dem Ersten Weltkrieg wurden sie verfolgt und vertrieben. Den Dorfverein des Dorfes Arbo in der südöstlichen Türkei, der sein verlassenes und zerstörtes Dorf wieder aufbauen will, hatte Regisseurin Anja Reiß filmisch begleitet. Ihren Dokumentarfilm „Die Rückkehr der Aramäer“ präsentierten der Kreis Aramäischer Studierender Heidelberg und die Aramäische Gemeinde Leimen jetzt im gut gefüllten Rosesaal. Neben der Regisseurin und Co-Regisseur Jann Anderegg saßen auf dem Podium der Heilbronner SPD-Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic und Daniyel Demir, Bundesvorsitzender der Aramäer.

Im Film ist es Abrohom Golo, der sich nach glücklichen Jugendtagen nach Arbo zurücksehnt und mit seinen überwiegend älteren männlichen Mitstreitern mitten im Nirgendwo stattliche Häuser baut. Doch die Zimmer, die er für die Kinder vorgesehen hat, könnten leer bleiben: Die Begeisterung seiner Familie in Göppingen hält sich nämlich in engen Grenzen. Als er von der „Rückkehr“ schwärmt, bleibt seine Frau stumm. Doch der Blick, mit dem sie ihn von der Seite skeptisch ansieht, spricht Bände. Die beiden Töchter reden sich geschickt heraus.

„Die Kinder haben dieses Gefühl von Heimat nicht“, sagte Juratovic, der als Kroate ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Dennoch wollten die Kinder wissen: „Wo kommen wir her? Wo sind unsere Wurzeln?“ Man dürfe auch diejenigen nicht vergessen, die noch in Tur Abdin sind. Es sind 2000 bis 3000 Christen, die noch in dieser Region leben.

Dass sie es auch heute nicht leicht haben, wurde im Film und bei der Diskussion deutlich. Die Zusagen der Ministerpräsidenten Ecevit und Erdogan seien nichts als leere Phrasen. Es gelte im Zuge der EU-Beitrittsbestrebungen den Dialog mit der Türkei zu führen und sie zu einer Reform der Justiz und zur Einhaltung der Menschenrechte zu bewegen, sagte Juratovic. Gleichzeitig riet er zu Menschlichkeit und Nächstenliebe und auch dazu, sich unter den Muslimen Verbündete zu suchen.

„Seit vier Jahren kämpfen wir gegen das Enteignungsverfahren für das Kloster Mor Gabriel“, sagte Daniyel Demir, der Bundesvorsitzende der Aramäer Deutschland. Für Jugendliche gebe es in der Region keine berufliche Perspektive. Die gezeigten neu gebauten Häuser würden meist nur als Ferienhäuser genutzt, „die Rückkehr“ sei kein echtes Thema.

„Für mich ist die Heimat in Deutschland“, sagte eine junge Frau: „Es ist für uns wichtiger, Strukturen in Deutschland aufzubauen als fünf Kirchen in einem Dorf im Tur Abdin. Wir haben unsere Wurzeln mitgebracht und sollten sie hier verstärken.“

Dies hat sich auch die Stiftung für Aramäische Studien „Nisibin“ zur Aufgabe gemacht, wie Josef Kaya als einer ihrer Gründer berichtete. Die Stiftung plant, ein Institut für Aramäische Studien an einer deutschen Universität einzurichten. Mit dem Kreis Aramäischer Studierender Heidelberg (KrAS) hat sie das Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine Saint-Exupéry ins Aramäische übersetzt. Das soll helfen, dass „die Sprache Jesu“ nicht ausstirbt.

Die Vorsitzenden Gabriela Can und Paul Jakob berichteten auch über das Gemeindeleben in Leimen: Eine wichtige Rolle nehme die Madraschto ein, die Unterrichtung der Schülerinnen und Schüler in Liturgie und aramäischer Sprache. Der Verein der Aramäer Leimen wurde 1987 gegründet, seit 1996 gibt es einen eigenen Pfarrer und 2001 wurde eine Fußballmannschaft gegründet.

http://www.rnz.de//RegionLeimen/00_20121022090454_102945820_Wir_haben_unsere_Wurzeln_mitgebracht_.php

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2. November 2012 von in Artikel über Aramäer, Diaspora, Sprache und Schrift.

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Der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern, über 500.000 Aramäern und anderen christlichen Minderheiten, die Straflosigkeit der Täter, wird von Historikern als Blaupause für den Holocaust und weitere Völkermorde bezeichnet. Bereits Adolf Hitler sagte bei seiner zweiten Rede vor den Oberkommandierenden auf dem Obersalzberg am 22. August 1939 „Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“. Die Leugnung eines Völkermords und die Straflosigkeit der Täter stellt einen Nährboden für weitere Völkermorde dar, welche heute immer noch stattfinden! Stoppt die Leugnung von Völkermorden und die Verunglimpfung der Opfer durch die Täter und ihre Nachfahren!

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