ARAMEAN YOUTH UNION – Junge Aramäische Union

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Minderheitenfeindlichkeit und Geschichtsfälschung auf dem Lehrplan der Türkei

Aramäer werden als Landesverräter verunglimpft

HEIDELBERG, 29.10.12 – Ein Jahr nach den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens steht wieder ein Besuch des türkischen Ministerpräsidenten an. Mit Spannung bleibt abzuwarten, welche Kritik sich die Bundesrepublik Deutschland dieses Mal gefallen lassen möchte.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland hatte sich im vergangenen Jahr mehrfach, u.a. in einem Offenen Brief vom 12.12.2011, an die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag gewandt. Hintergrund war die Veröffentlichung eines türkischen Geschichtsbuches der zehnten Klasse, in dem die Aramäer des Landesverrats bezichtigt wurden, die aus wirtschaftlichen Gründen die Türkei verließen und zum Werkzeug der politischen und religiösen Interessen der westlichen Länder geworden seien.
Herausgeber ist das türkische Ministerium für Bildung und Erziehung gewesen. 

Das besagte Ministerium führt weiterhin die Linie fort, türkischen Schülern frühzeitig zu vermitteln, NichtMuslime in der Türkei als „Spione“, „Verräter“ sowie „Barbaren“ zu bezeichnen und deren Schulen, Kirchen und jüdische Synagogen als „schädliche Gemeinden“ zu diffamieren.

Vielmehr ist die Wahrheit, dass die indigene aramäische Bevölkerung in ihrer Heimat, dem Turabdin im Südosten der Türkei seit Jahrhunderten verfolgt wird. Lautlos, nahezu unbemerkt stirbt hier ein ehemals großes Volk, verschwindet eine Kultur, geht eine biblische Sprache verloren. Im ersten Weltkrieg wurden die Aramäer wegen ihres urchristlichen Glaubens verfolgt und Hunderttausende Opfer des Völkermordes im
Osmanischen Reich. Während der jahrzehntelangen Kämpfe zwischen kurdischen Rebellen und der türkischen Armee im Südosten des Landes flohen Tausende aus ihrem Siedlungsgebiet am „Berg der Knechte Gottes“. Von einst 200.000 Menschen in den 60er Jahren leben heute nur noch 2.000 in ihrer Heimat.

Seit 2008 werden haarsträubende Prozesse gegen das Kloster Mor Gabriel und seine Leitung geführt. Erdogan und seine Regierung verstecken sich hinter der Unabhängigkeit der Justiz, während es staatliche Behörden sind, die die Verfahren gegen das Kloster unnachgiebig führen. Das vom türkischen Staat veröffentlichte
Schulbuch heizt die negative Stimmung gegen die wenigen noch verbliebenen Aramäer und anderen Minderheiten nur noch weiter an.

Neben verschiedenen Stellungnahmen und Reaktionen aus dem Deutschen Bundestag erfolgte eine schriftliche Anfrage an die Europäische Kommission durch die Europaabgeordnete Dr. Renate Sommer (CDU/CSU-Gruppe in der EVP-Fraktion) vom 24.01.2012. In der Antwort von Erweiterungskommissar Füle im Namen der Kommission vom 02.03.2012 teilte die Türkei in Bezug auf die parlamentarische Anfrage mit, „dass Schulbücher nach geltendem Recht keine Äußerungen enthalten dürfen, die gegen die Grundrechte verstoßen oder Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts, der Rasse, der Religion, der Sprache, der Hautfarbe, der politischen Meinung oder weltanschaulicher Ansichten enthalten.“

„Sie bestätigte ferner, dass das besagte, im Sekundarbereich (10. Klasse) verwendete Geschichtsbuch nach diesen gesetzlichen Vorgaben verfasst wurde. Zudem sei beabsichtigt, Abschnitte und Inhalte dieses Schulbuches, die zu Irritationen oder Missverständnissen führen könnten, bei der Aktualisierung des Buches für das Schuljahr 2012/2013 zu überarbeiten.“

Nichts dergleichen ist geschehen – wieder einmal bloße Lippenbekenntnisse der türkischen Regierung.

„Die türkische Regierung ist in der Pflicht, die falsche Darstellung der Aramäer in dem genannten Schulbuch richtigzustellen und die ethnische und religiöse Vorurteile verstärkende Hetze gegenüber der aramäischen Gemeinschaft und anderen Minderheiten in der Türkei zu unterlassen“, erklärt der Bundesvorsitzende des Dachverbands der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir und mahnt weiter an, „die kulturelle Vielfalt im Land zu akzeptieren und zu schützen – anstatt sie zu behindern.“

Die Bundesrepublik Deutschland ist gefordert, dieser Einschüchterungs- und Hetzpropaganda gegenüber der aramäischen Gemeinschaft entschieden entgegenzutreten und klar Stellung zu beziehen, die türkische Regierung aufzufordern, die Existenzgrundlage des Klosters Mor Gabriel nicht weiter zu beschneiden, sowie die Aramäer endlich als nicht-muslimische Minderheit offiziell anzuerkennen.

Der Bundesvorstand

http://suryoyena.org/content/73-Minderheitenfeindlichkeit-und-Geschichtsf%C3%A4lschung-auf-dem-Lehrplan-der-T%C3%BCrkei-%E2%80%93-Aram%C3%A4er-werden-als-Landesverr%C3%A4ter-verunglimpft

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Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. November 2012 von in Arbeitskreis JAU, Artikel über Aramäer, Junge Aramäische Union.

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Der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern, über 500.000 Aramäern und anderen christlichen Minderheiten, die Straflosigkeit der Täter, wird von Historikern als Blaupause für den Holocaust und weitere Völkermorde bezeichnet. Bereits Adolf Hitler sagte bei seiner zweiten Rede vor den Oberkommandierenden auf dem Obersalzberg am 22. August 1939 „Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“. Die Leugnung eines Völkermords und die Straflosigkeit der Täter stellt einen Nährboden für weitere Völkermorde dar, welche heute immer noch stattfinden! Stoppt die Leugnung von Völkermorden und die Verunglimpfung der Opfer durch die Täter und ihre Nachfahren!

Yes, You Can Say ‘Genocide,’ Mr. Prim Minister Erdogan!

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