ARAMEAN YOUTH UNION – Junge Aramäische Union

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Ein Pass reicht nicht für die Integration

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Aramäer in Kirchardt (hier die Kirche im Industriegebiet) schotten sich ab, sie bilden 'eine Gemeinde in der Gemeinde', beklagt Bürgermeister Rudi Kübler. Foto: Frank
Aramäer in Kirchardt (hier die Kirche im Industriegebiet) schotten sich ab, sie bilden „eine Gemeinde in der Gemeinde“, beklagt Bürgermeister Rudi Kübler. Foto: Frank

Von Hans Georg Frank

Kirchardt/Stuttgart. „Da ist die Ministerin auf dem falschen Dampfer“, kommentierte Rudi Kübler (62) spontan die Antwort von Bilkay Öney (SPD) auf eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Friedlinde Gurr-Hirsch zur Situation der Aramäer in Baden-Württemberg. Öney hatte mitgeteilt, dass zwei Drittel dieses zur syrisch-orthodoxen Kirche gehörenden Personenkreises eingebürgert seien, „so dass von einer gelungenen Integration gesprochen werden kann“.

Kübler, seit 29 Jahren Bürgermeister in Kirchardt, nimmt die Wirklichkeit ganz anders war. „Das geht an der Wahrheit vorbei“, sagt er zu der Ansicht der Ministerin für Integration. Nur wenn jemand einen deutschen Pass besitze, „kann man nicht wirklich von einer Einbürgerung sprechen“. In Kirchardt mit einem Aramäer-Anteil von 20 Prozent seien etliche der Migranten deutsche Staatsbürger geworden, „nur weil sie einfach lang genug hier waren“.

„Wir leben Europa“ lautet der Werbespruch der Kommune im Kraichgau gerade wegen des Zustroms der Aramäer, der um 1960 eingesetzt hat, als es beim Autobahnbau Arbeitsplätze gegeben hat. „Es funktioniert, aber es könnte besser sein“, sagt der Schultes (Freie Wähler). Von einem Miteinander mag er nicht sprechen, eher von einem „Nebeneinanderherleben“, das er wenigstens nicht als Gegeneinander verstanden wissen möchte. Es bleibe noch „ganz, ganz viel zu tun“. Kirchardt sei zwar auf einem richtigen Weg, wozu etwa niederschwellige Sprachkurse im Elterncafé gehörten. Aber echte Integration sei eine Aufgabe von einer Generation, wahrscheinlich sogar von zwei.

Auch die Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch mag nicht von einer vollständig geglückten Integration sprechen. Dafür reiche die Einbürgerung nicht aus. „Es geht bei erfolgreicher Integration auch darum, sich in das Gemeinwesen einzubringen, sich beispielsweise ehrenamtlich in Vereinen oder Hilfsorganisationen zu engagieren“, erklärt die Politikerin.

Auch wenn mit dem Malermeister Josef Kaya ein Aramäer im Gemeinderat sitzt, auch wenn beim Alarm ein syrisch-orthodoxer Feuerwehrmann ausrückt, so bildet diese 700-köpfige Ethnie nach Ansicht des Bürgermeisters „eine Gemeinde in der Gemeinde“. Zwar kämen die Kinder zum Turnen und Kicken, aber als Erwachsene seien sie in keinem Verein zu finden. „Wegen der großen Gruppe gibt es keinen Druck zur Integration“, erklärt Kübler die Situation in seinem Dorf, „sie haben gar kein Bedürfnis dafür, sie fühlen sich wohl, so wie es ist.“ Den Grund für die Distanz kennt Kübler: „Die Aramäer haben eine Riesenangst vor einer Assimilierung, bei der sie ihre eigene Sprache nicht mehr sprechen könnten.“

Der hohe Migrantenanteil hat jetzt möglicherweise konkrete Folgen für das Bildungsangebot in der Kommune. Der Gemeinde bleibt wohl eine Gemeinschaftsschule versagt, weil ihr aus der Nachbarschaft keine Kinder zugerechnet werden. „Zu uns will keiner“, meint der Bürgermeister, „wegen der vielen Aramäer.“

Demnächst, voraussichtlich im Februar oder spätestens im März, möchte Ministerin Önay Kirchardt besuchen. Dann wird sie auch erfahren, wie sehr ein Streit um eine – von der Mehrheit unerwünschte – Krypta in der aramäischen Kirche den Dorffrieden gefährdet. Zehn Grabnischen sollen im Untergeschoss des Gotteshauses mitten im Gewerbegebiet eingerichtet werden, was die Gemeinde untersagt hat. Seit sieben Jahren klagt sich die syrisch-orthodoxe Gemeinde „St. Gabriel“ wegen der Gruft für ihre Geistlichen durch diverse Instanzen. Derzeit liegt der Fall dem Bundesverwaltungsgericht vor.

Derlei Gebaren kommt in Kirchardt offenbar nicht gut an. Mit dem Pfarrer hat Bürgermeister Rudi Kübler überhaupt keinen Kontakt. Das liegt aber auch daran, dass der Priester wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden ist, was allerdings schon etliche Jahre zurückliegt.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. Februar 2013 von in Artikel über Aramäer, Diaspora und getaggt mit .

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