ARAMEAN YOUTH UNION – Junge Aramäische Union

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Flucht ins Land der frühen aramäischen Christen

Der zweite Exodus von Tur Abdin
Jesiden aus dem Irak suchen Schutz im türkischen Midyat.Andy Spyra
Hunderte Jesiden aus den Irak und Syrien suchen Schutz im Südosten der Türkei. Die Menschen in der Region helfen gerne. Sie wissen, was es bedeutet auf der Flucht zu sein. Aramäische Christen gerieten im Tur Abdin vor der Jahrhundertwende zwischen die Fronten. Viele flohen damals nach Europa, einige kehren nun zurück und beleben ihre Kultur neu.

Angst vor Schlangen habt ihr nicht, oder?“ fragt Samuel Özdemir noch. Dann knipst er die Taschenlampe an, zieht die klapprige Holztür auf und zwängt seinen breitschultrigen Körper im Schein des Vollmonds durch den niedrigen Eingang. Drinnen tanzt der Lichtstrahl über nackte Wände, schlicht verzierte Säulen, einen Steinaltar. „Das Gebäude ist seit 1500 Jahren eine Kirche“, sagt Özdemir, „davor war es vermutlich ein heidnischer Tempel.“ Sein Freund Daniel Demir schaltet das Licht seines Smartphones dazu, um das längliche, gut zwölf Meter hohe Kirchenschiff auszuleuchten. Graffiti auf den Wänden scheinen auf: Namen türkischer Soldaten, Einberufungskohorten und Geburtsorte. Dann wird die Schlange sichtbar, die in die rückwärtige Wand gekritzelt ist, sie windet sich um ein Schwert – ein altes religiöses Symbol sei das, glauben die beiden jungen Männer.

Mor Yahkub und Mor Barsaumo, wie die verfallene Doppelkirche heißt, steht im Dorf Kafro im Tur-Abdin-Gebirge – einst eines der wichtigsten Zentren des nahöstlichen Christentums. Der „Berg der Gottesknechte“ wurde vermutlich schon im 1. Jahrhundert christianisiert. Einige der ältesten Klöster und Kirchen der Welt zeugen bis heute davon, etwa die bekannte Klosteranlage Mor Gabriel. Mittlerweile leben jedoch nur noch wenige Christen hier.

Auch Samuel Özdemir und Daniel Demir sind aramäisch-syrische Christen – „Süryani“ nennt man sie in der Türkei. Türkisch können sie allerdings nicht, sie sprechen Deutsch mit bairisch-schwäbischer Einfärbung. Özdemir und Demir kommen aus Augsburg. Dorthin wanderten ihre Eltern in den 1980er Jahren aus, wie viele andere Einwohner des christlichen Dorfes Kafro flohen sie vor dem brutalen Krieg zwischen der kurdischen PKK und dem türkischen Staat

Mitte der 1990er Jahre, erzählt Özdemir, habe das türkische Militär Kafro zwangsgeräumt; damals verließen die letzten drei Familien den Ort. Die Kirche wurde geplündert, später benutzten kurdische Hirten sie als Stall. Seither ist das Gotteshaus eine Ruine. „Aber wenn ihr in drei Jahren wiederkommt, wird’s hier schon ganz anders ausschauen“, sagt der 32-Jährige. Gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern wollen er und Daniel Demir die Kirche wieder aufbauen. Dafür verbringen sie den Sommer in der Hitze der Südosttürkei.

Kafro, das zwischenzeitlich verlassene Dorf, ist eine Art Modellprojekt: Als es vor etwa zehn Jahren ruhiger wurde im Tur Abdin, begannen manche der ehemaligen Bewohner in Deutschland und der Schweiz, über eine Rückkehr in ihre Heimat nachzudenken. 2002 gründeten sie den „Entwicklungsverein Kafro“. Sein Ziel ist laut Satzung, den Ort wieder zu besiedeln und weiter zu entwickeln. 2006 kehrten die ersten Kafroer in ihr Dorf zurück.

Weiterlesen dringend empfohlen: http://www.welt-sichten.org/brennpunkte/25564/flucht-ins-land-der-fruehen-christen?page=1

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. November 2014 von in Artikel über Aramäer, Exstremismus/Terrorismus, News aus aller Welt, Völkermord - Christenverfolgung.

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