ARAMEAN YOUTH UNION – Junge Aramäische Union

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Die urchristlichen Aramäer sind schon wieder zwischen die Fronten

Die urchristlichen Aramäer sind schon wieder zwischen die Fronten von türkischer Armee und Kämpfern der PKK geraten. Viele fliehen ein zweites Mal nach Deutschland

Ein Bild des Friedens bietet das Dorf Arkah in der Abendsonne. Der Priester schlendert die Dorfstraße hinauf zur Kirche, wo er gleich zum Abendgebet läuten wird. Nach der Tageshitze toben Kinder in den wachsenden Schatten zwischen den Häusern, Nachbarn plaudern am Gartenzaun.

Im Haus der Familie Turgay wirtschaften Tanten und Cousinen inder Küche, auf der Terrasse werden Tische gerückt für das große Fest: Nach dreijähriger Bauzeit soll heute endlich das Sommerhaus der Turgays eingeweiht werden. Die fünf Brüder und ihre Familien leben ansonsten an verschiedenen Orten in Deutschland. Künftig wollen sie zumindest ihreSommerferienzusammen in der alten Heimat verbringen.

Doch über dem freudigen Ereignis liegt ein Schatten, seit der Dorfbürgermeister von dertürkischenMilitärkommandantur einbestellt wurde. Die Armee hat Arkah und alle umliegenden Christendörfer am Berg Izlo ab sofort zur militärischen Sicherheitszone erklärt und eine Ausgangssperre verhängt.

Beklommen blicken die Männer und Frauen auf der Terrasse hinüber zu den nahen Hügeln, wo sich die kurdischen Rebellenkämpfer verbergen. „Wenn hier nur mal Ruhe wäre“, seufzt eine der Nichten, eine Kosmetikerin aus Gießen.

Es ist ein Seufzer, wie ihn aramäische Christen seit einem Jahrhundert regelmäßig ausstoßen. 1915 zusammen mit den Armeniern von den Osmanen verfolgt, überlebte diese Minderheit nur mit knapper Not in ihrer jahrtausendealten Heimat, dem Tur Abdin. Auf dem Hochplateau in der Südosttürkei, das mit uralten Kirchen und Klöstern übersät ist, sprechen die Menschen noch heute die Sprache von Jesus Christus.

Auch dem Druck der türkischen Assimilationspolitik und der kurdischen Zuwanderung hielten die Aramäer im 20. Jahrhundert noch stand. Doch als Türken und Kurden ihren Krieg in den 90er-Jahren in den Feldern und Weinbergen der unbeteiligten Christen austrugen, flohen diese scharenweise nach Europa.

Heute leben allein in Deutschland rund 100 000 aramäische Christen, im Tur Abdin selbst waren es zuletzt nur noch 2000. Das Ende der christlichen Minderheit schien nah – doch dann begann eine historische Umkehr.

Der Weinbauer Hanne Akbaba ist einer von vielen Christen, die seit dem Jahr 2000 aus Deutschland zurückgekehrt sind. 15 Jahre lang hat der schmächtige Mann mit dem verhärmten Gesicht in einer Fabrik in Gütersloh Fensterrahmen gebaut, nachdem sein Dorf in den 90ern vom Militär geräumt worden und er als Flüchtling nach Deutschland gekommen war. Jetzt sitzt er im wieder aufgebauten Familienhaus in Sederi, seinem Heimatdorf im Tur Abdin, und er hat Tränen in den Augen. Ringsum ist nur verbrannte Erde zu sehen, der Brandgeruch liegt noch in der Luft. Die in zehnjähriger Arbeit wieder aufgepäppelten Reben, die neuen Obstbäume, das Getreide auf dem Feld und das Heu für das Vieh – alles vernichtet, alles verbrannt. Ein PKK-Trupp hat auf der Landstraße einen türkischen Tanklastwagen angezündet, und nun ist alles dahin – auch das Hab und Gut seiner fünf Brüder, die ihre deutschen Ersparnisse zusammengelegt hatten, um den elterlichen Hof wieder aufzubauen.

„Haben sie uns nicht gesagt, wir sollen wiederkommen?“, schluchzt der Bauer. Wie tausende Aramäer vertraute Akbaba auf die türkische Regierung, die sie seit 2001 mehrfach zur Rückkehr in die Heimat eingeladen hat. Auch den Zusicherungen der PKK hat er geglaubt, die neuerdings von multikultureller Brüderlichkeit schwärmt und die Christen schützen wollte. Doch nun haben sich die kurdischen Rebellen ausgerechnet auf einem Stück christlichen Landes am Berg Izlo festgesetzt, die türkische Armee rüstet zum Angriff – und die Christen werden wieder zwischen den Fronten zermahlen. Aus Sederi sind viele Rückkehrer schon wieder nach Europa geflüchtet, ihre renovierten Häuser sind verrammelt und verriegelt. Nur eine Handvoll Aramäer harren noch in dem entlegenen Dorf aus. Fotografieren lassen will sich niemand von ihnen – aus Angst, in das Visier von PKK und türkischer Armee zu geraten. „Und jetzt noch diese Ausgangssperre“, klagt Akbaba. „Sollen wir hier denn verhungern?“

Gespenstische Leere herrscht auch in anderen christlichen Dörfern, wo Rückkehrer aus Deutschland und anderen europäischen Ländern seit dem Jahr 2000 Millionensummen in den Wiederaufbau ihrer zerstörten Heimat gesteckt hatten. Selbst in der Kreisstadt Midyat, dem Herzen des Tur Abdin, brütet die christliche Altstadt still und verlassen in der Hitze. Hier herrscht sonst Hochbetrieb im Sommer, wenn aramäische Christen aus ganz Europa ihre alte Heimat besuchen. Erstmals seit einem Jahrhundert war auch die ansässige Gemeinde in Midyat im vergangenen Jahrzehnt wieder gewachsen, erzählt Yusuf Türker vom Gemeindevorstand. Doch seit der Kurdenkonflikt in diesem Sommer wieder eskaliert ist, haben die allermeisten Christen ihre Buchungen storniert, sagt er. „Und wer schon da war, ist sofort abgereist.“

Türker sitzt im Pappelschatten vor dem im Jahr 481 errichteten Kloster Mor Hobil Abrohom, als dessen Verwalter er normalerweise alle Hände voll zu tun hätte. Die Zukunft der Aramäer hier in ihrer historischen Heimat, wo sie schon im ersten Jahrhundert das Christentum annahmen, steht nun auf Messers Schneide, glaubt er. Wenn die Kämpfe noch länger andauern und die Christen wegbleiben, werden ihre Häuser bald verfallen und ausgeplündert – alle Hoffnungen und Investitionen wären dann vergebens gewesen.

Noch ist es in Midyat selbst relativ ruhig, auch wenn vor einigen Tagen ein Polizist erschossen wurde. Die PKK sperrt nachts die Landstraßen außerhalb der Kleinstadt und legt Sprengfallen für Militärkonvois. Doch ringsum – in Nusaybin, Idil, Cizre,Batman, Mardin – toben Straßenkämpfe, und der Krieg kommt täglich näher. „Wir sitzen hier in einem Ring aus Feuer“, sagt Türker.

Im nahen Städtchen Idil schlagen die Flammen schon hoch. Nacht für Nacht, wenn dort die Kämpfe in der kurdischen Neustadt toben, kauern die wenigen verbliebenen Christen im Innenhof ihrer Kirche zusammen und lauschen angsterfüllt dem Geschrei und den Schüssen draußen. Selbst tagsüber wagen sie sich nicht mehr aus ihrem Viertel heraus, sagt der christliche Stadtrat Gebro Tokus, der deshalb seit Wochen nicht mehr zu Stadtratssitzungen geht. Tokus und seine Frau sind erst vor zwei Jahren aus der Schweiz nach Idil zurückgekehrt, wo nur noch 20 Aramäer leben.

Bis vor 50 Jahren war die Stadt fast ausschließlich von Christen bewohnt. Der letzte christliche Bürgermeister amtierte bis 1977, er wurde in den 90ern ermordet. Vor wenigen Tagen hat nach einem schweren Bombenanschlag auf dessen Haus nun auch sein Sohn die Stadt verlassen – zurück nach Deutschland, wo er nach der Ermordung seines Vaters vor 20 Jahren Asyl und später auch die Staatsbürgerschaft bekam.

In Deutschland, Schweden und der Schweiz werden die Aramäer weiterleben. Fast alle haben europäische Pässe und sind gut integriert. Ihr Glaube, ihre Sprache und ihre Kultur aber werden sich in der Diaspora verlieren, fürchtet Mor Timotheos, der Erzbischof von Tur Abdin. Deutschland, Europa, die Welt sollten intervenieren, um die Existenz der Aramäer in ihrer Heimat zu retten, fordert der Geistliche bei einer Audienz im Kloster Mor Gabriel. Sonst werde es irgendwann nicht nur im Tur Abdin und im Nahen Osten keine Christen mehr geben, warnt er und weist mit der Hand nach Süden, wo kaum 50 Kilometer entfernt hinter der syrischen Grenze islamische Kämpfer auf dem Vormarsch sind. „Sie wollen die ganze Welt unterwerfen.“

Seit 397 besteht Mor Gabriel, eines der ältesten ununterbrochen aktiven Klöster der Welt. Als es erbaut wurde, sagt der Erzbischof, habe Gott den Engeln befohlen, dass es bestehen solle bis zumWeltuntergang.

Die Urchristen des Nahen Ostens Jünger Jesu Aramäer wanderten vermutlich im 13. Jahrhundert v. Chr. aus dem Euphratgebiet in Mesopotamien ein. Sie nahmen als Erste die Lehre Jesu Christi an, dessen Muttersprache Aramäisch war. Sie sind überwiegend Anhänger des syrisch-orthodoxen Glaubens. Lebendige Sprache Aramäisch gehört mit seiner 3000 Jahre alten Geschichte nach Griechisch und Chinesisch zu den ältesten noch gesprochenen Sprachen der Welt. Es ist mit dem Hebräischen und dem Arabischen verwandt.

Quelle: http://www.focus.de/magazin/archiv/politik-und-gesellschaft-in-einem-ring-aus-feuer_id_4922741.html

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 13. September 2015 von in News aus aller Welt.

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