ARAMEAN YOUTH UNION – Junge Aramäische Union

We are the future!

Die Aramäer

aramäische flagge uni bochum

Wer sind die ARAMÄER?

Die Geschichte der Aramäer
PDF Drucken

Das aramäische Volk findet seine wohl bedeutendste Erwähnung im Alten Testament. In der Völkertafel von Gen. 10 wird Aram als fünfter der Söhne Sems genannt: „Und dies sind seine Söhne: Elam, Assur, Arpachschat, Lud und Aram. Aber die Söhne Arams sind diese: Uz, Hul, Geter und Masch.“ Als Nachfahren Arams sind die Aramäer Semiten.

Weitere bedeutende Erwähnungen der Aramäer finden sich in den Erzeltern-Erzählungen des Alten Testaments: Jakob flieht von Kanaan nach Harran im oberen Chaburtal zu seinem Onkel, dem Aramäer Laban (Gen. 28,5). Seine Heirat mit dessen beiden Töchtern, die ihm 12 Söhne gebären, führt zu engster Verbindung mit den Aramäern. Aber auch bereits Jakobs Mutter Rebekka war von der Verwandtschaft bei Harran, der Stadt Nahors, geholt worden (Gen. 24, 10). Im Eingangstext des so genannten kleinen geschichtlichen Credo steht: „Ein umherziehender Aramäer war mein Vater, er zog nach Ägypten hinab und hielt sich dort als Fremdling mit wenigen Angehörigen auf; aber er wurde dort zu einem großen, starken und zahlreichen Volk (Gen. 25, 5). Diese Erzählungen bewahren offensichtlich die Erinnerung an enge Kontakte in der Frühzeit der aramäischen und israelitischen Stämme.

Bei diesen umfangreichen Angaben des Alten Testaments handelt es sich allerdings um Texte, die erst ab dem 10. Jahrhundert v. Chr. schriftlich festgehalten wurden, und es bleibt zu überprüfen, wie weit die mündliche Vorgeschichte zurückreicht. Textfunde aus dem 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. lassen die Aramäer das erste Mal erscheinen. Die frühesten eindeutigen Erwähnungen der Aramäer sind dann in assyrischen Texten vom Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. zu finden. Sie tauchen im Zusammenhang mit Kriegszügen der assyrischen Herrscher gegen die in das Reich einfallenden Aramäer auf. Die verschiedenen Nachrichten deuten auf eine Herkunft der Aramäer aus dem Gebiet um den mittleren Euphrat. Umstritten ist immer noch, ob die Aramäer aus dem oberen Euphrat- und Chaburgebiet kamen oder ob sie aus der weiter südlich gelegenen arabischen Wüste nach Norden drangen. Ihre Ausbreitung ging jedenfalls sehr schnell vor sich, sowohl entlang des oberen Euphrat bis hin zum Tigrisgebiet, als auch zum Libanon und nach Damaskus.

(Quellen: A. Šanda, Die Aramäer. Berlin 1900; Schiffer, S, Die Aramäer, ND Gütersloh 1992; M. Noth, Die Aramäer, in: ZDPV 68 (1949/1951), 19-36; A. Jepsen, Aramäer, in: RGG (3. Aufl.) I, 1957, 531-532; M. Dietrich, Die Aramäer Südbabyloniens in der Sargonidenzeit (700-648), Neukirchen 1970; Maximilian Streck, Über die älteste Geschichte der Aramäer, in: Klio 6 (1906), 185-225; Unger Eckhard, Aramäer in assyrischer Darstellung, RLA I 1928.)

 

Die Aramäische Sprache

PDF

Drucken

Die Aramäer, oder die eine Sprachgruppe der West-Aramäer sprechen einen aramäischen Dialekt, genannt Turoyo. Turoyo wird nur gesprochen, nicht aber geschrieben. In der Liturgie wird das Alt-Aramäische verwendet, dass Kthobonoyo. Die West-Aramäische Sprache wird  «Kthobonoyo» d. h. «Buchsprache oder Hochsprache» genannt. Diese Sprache ist zugleich das Erbe des aramäischen Volkes, das bis heute seine Muttersprache ist; Aramäisch war ebenfalls die Muttersprache Jesu Christi in Galiläa. Weitere Zeugen dieser Sprache sind die Inschriften und Fragmente aus Papyrus und Pergament in den großen Museen und Bibliotheken der Welt. Selbst die Peshitto oder auch die Geschriebene genannt, ist auf Kthobonoyo abgefasst, denn sie bezieht sich auf dieses Buch, nämlich die Westaramäische Bibel, mit der Serto Schriftart.


Siehe hierzu: Eugen Prym und Albert Socin, Der neuaramäische Dialekt des Tur-Abdin, Göttingen 1881; Hellmut Ritter, Die Volkssprache der syrischen Christen des Tur-Abdin. Beirut 1967; Otto Jastrow, Lehrbuch der Turoyosprache… Adolf Siegel, Laut- und Formenlehre des neuaramäischen Dialekts des Tur-Abdin (= Beiträge zur semitischen Philologie und Linguistik, hrsg. von G. Bergsträsser, Heft 2), Hannover 1923, Arthur Ungnad, Syrische Grammatik mit Übungsbuch, Georg Olms Verlag, ISBN: 3-287-09635-8

Die Sprache Jesu

Das Aramäische: Die in der Literatur übliche Benennung „Aramäisch“ geht auf die Selbstbezeichnung der Aramäer zurück. Das Aramäische ist eine Nordwest-Semitische Sprache, ursprünglich der semitische Dialekt der aramäischen Stämme, die um 1200 v. Chr. in das syrisch-palästinische Kulturland eindrangen und dort verschiedene Staaten gründeten. Die drittälteste noch gesprochene Sprache ist das Aramäische. Die zur semitischen Sprachfamilie gehörende aramäische Sprache ist eng mit Hebräisch und Arabisch verwandt. Die ältesten Zeugnisse von ihr reichen bis ins zweite Jahrtausend v. Chr. Mit 3.000 Jahren ist Aramäisch somit nach Chinesisch und Griechisch die älteste noch gesprochene Sprache der Welt. Die Bedeutung der aramäischen Sprache liegt weniger in der heutigen Zeit als im Altertum. Bereits am Anfang des ersten Jahrtausends verdrängte sie alle Sprachen in Mesopotamien. Von den tüchtigen aramäischen Kaufleuten über den gesamten Orient verbreitet, entwickelte sich diese Sprache innerhalb einiger Jahrhunderte zu wichtigsten Sprache des Nahen Ostens. Aramäisch war im vorchristlichen Jahrtausend Weltsprache. Sie war Reichssprache in Ägypten, Persien und anderen mächtigen Imperien früher Hochkulturen. Die aramäische Sprache revolutionierte die Schriften. Große Teile des Alten sowie des Neuen Testaments sind in Aramäisch geschrieben worden.

Das Aramäische ist zunächst in Syrien nachweisbar, breitete es sich nach und nach über den ganzen Vorderen Orient und weiter nach Osten aus. Bereits in assyrischer Zeit war es eine internationale Sprache. Der Brauch der Assyrer, sich mittels des Aramäischen mit anderssprachigen Untertanen zu verständigen, wurde von den Achämiden aufgenommen und das Reichs-Aramäische zur offiziellen Sprache der Kanzlei der Perserkönige gemacht. Es stellt eine weiterentwickelte und verselbständigte Form des ältesten Aramäischen dar. Als Kanzleisprache hat es einen fossilen Rest in den Idiogrammen des Pehlewi hinterlassen. Die aramäisch geschriebenen Stücke des AT bieten ebenfalls dieses Idiom. In seiner Art schließt sich das sog. West-Aramäische am nächsten an die Formen des Reichs-Aramäischen an:

  1. Das Nabatäisch-Aramäische, die aramäische Schriftsprache eines arabischen Staates, der mit dem Zentrum in Petra wirtschaftlich für den Weg nach Arabien wichtig und vom 4. Jh.v.Chr. bis über die Zeit seiner Eroberung durch die Roemer (106 n. Chr.) hinaus bedeutsam war.

  2. Das Palmyrenisch-Aramäische, das ebenfalls in einer Karawanenstadt geschrieben, wohl auch gesprochen wurde, die Petra den Rang ablief.

  3. Das Jüdisch-Palästinensische Aramäisch ist das Idiom, das das Hebräische als gesprochene Sprache verdrängt hat. Es war die Sprache Jesu („Galiläisch-Aramäisch“; in sie übersetzte man im Gottesdienst die hl. Schriften; in ihr überlieferte man die aramäischen Teile des jerusalemischen Talmuds.

  4. Das Samaritanisch-Aramäische: Die Absonderung Samarias in religiöser und politischer Hinsicht erklärt die Entstehung eines solchen gesonderten Idioms.

  5. Das Christlich-Palästinensische ist die Sprache der Melkiten in Palästina; sie wurde außer in Nordpalästina auch in Teilen des Ostjordanlandes gebraucht.

  6. Das Neuwest-Aramäische: In einigen Dörfern des Antilibanon, in Malula, Bacha und Dschubb Adin hat sich das Aramäische des westlichen Typus bis in die Gegenwart erhalten.

Das Aramäische des Zweistromlandes wird unter der Bezeichnung Ost-Aramäisch zusammengefasst. Es umfasst:

  1. Das Aramäische des babylonischen Talmuds

  2. Das Mandäische, die Sprache einer religiösen Sekte, die sich am Schatt Al Arab und in Chusestan bis heute erhalten hat.

  3. Das Syrische (in Ost- und Westsyrisch), die Sprache des Staatskanzlei von Edessa, der Residenz der Könige der Osrhoene.

Das Aramäische wird im Anschluss an die griechische Benennung der Aramäer „Syrisch“ genannt. Mit dem Begriff „Syrer“ bezeichneten die Griechen, seitdem sie Asien näher kennen lernten, die Nation, welche sich selbst „Aramäer“ nannte. Das Syrische wird von den syrischen Kirchenvätern und den Orientalisten die „Edessenische“ oder „die Mesopotamische“ Sprache genannt; sie wird auch als „Aramäisch“ bezeichnet, obwohl in christlicher Zeit der Name der Aramäer eher gemieden wird, da dieser oft so viel wie „Heiden“ bedeutete (Nöldeke, Th.). Das Syrische im engeren Sinne, der Dialekt von Edessa, scheint den Aramäischen Dialekten der Tigrisländer etwas näher gestanden zu haben als denen des mittleren Syriens und Palästinas. In Edessa wurde dieser Dialekt sicher schon lange vor Einführung des Christentums als Schriftsprache verwandt. Besondere Wichtigkeit erlangte er aber, seit die Bibel in ihn übersetzt war (wahrscheinlich schon im 2. Jh.) und Edessa immer mehr die Hauptstadt der rein aramäischen Christenheit wurde. Mit dem Christentum drang die Sprache von Edessa auch ins persische Reich. Schon im 4. Jh. diente sie, die nunmehr „Syrische“ schlichtweg, den christlichen Aramäern am Tigris als Schriftsprache.

Die Blütezeit des Syrischen reicht bis ins 7. Jh. Die Syrer (Aramäer) gehörten damals dem römischen, teils dem persischen Reiche an. Dazu kamen die kirchlichen Spaltungen, namentlich durch die unseligen christologischen Auseinandersetzungen. Die persischen Syrer entschieden sich meistens für die nestorianische, die römischen für die orthodoxe Lehre. Diese kirchliche Spaltung verhinderte die gleichmäßige Ausbildung der syrischen Schriftsprache, die in zwei Dialekten, dem östlichen und westlichen, vorliegt. Die Eroberung der aramäischen Länder durch die Araber brachte der herrschenden Stellung des Syrischen ein jähes Ende. Zwar blieb es in Edessa noch einige Zeit lebendig, und in abgelegenen Gegenden erhielten sich aramäische Dialekte lange, teilweise sogar bis auf den heutigen Tag, aber das Syrische verlor rasch seine Stellung als Umgangssprache der Gebildeten in weiten Ländern.

Die älteste syrische Schrift ist Estrangelâ. Daraus entwickelte sich die der östlichen Syrer (Nestorianer, Chaldäer) und die der westlichen Syrer (Orthodoxe, Maroniten und Katholiken), die als Sertô bezeichnet wird.

Siehe hierzu: Carl Brockelmann, Syrische Grammatik, Leipzig 1938; Theodor Nöldeke, syrische Grammatik. 2. verbindliche Aufl. Leipzig 1898; Stanislav Segert, Altaramäische Grammatik mit Biographie, Chrestomathie und Glossar, Leipzig 1986.

 

Der Glaube der Syro-Aramäer
PDF Drucken
Beitragsseiten
Das Christentum ist eine semitische Religion (Teil 1)
Das Christentum ist eine semitische Religion (Teil 2)
Das Christentum ist eine semitische Religion (Teil 3)
Die syrischen Kirchen
Alle Seiten
Seite 1 von 4

Das Christentum ist eine semitische Religion (Teil 1)

Das Christentum breitete sich zuerst unter den Menschen semitischen Ursprungs und kulturellen Hintergrundes aus. Die Propheten und Jesus samt Seinen Aposteln waren Orientalen und das Alte Testament war für die Aramäer in seiner semitischen Sprache, Aramäisch, abgefasst worden. Jesus gab Seinen Jüngern Auftrag, zuerst zu den «Verlorenen Schafen aus dem Hause Israel» zu gehen (Mt. 10:6). Diese waren vor allem in Aram-Naharaim – Aram der vier Flüsse (Mesopotamien) und Persien weit zerstreut worden, als die Assyrer sie 721 v. Chr. gefangen wegführten. Die Galiläer der Zeit Jesu ihrerseits stammten hauptsächlich von den Stämmen ab, die auf der Ostseite des Euphrat ansässig gewesen waren und durch den Assyrerkönig gezwungen wurden, sich im nördlichen Palästina anzusiedeln (2. Kön. 17:24). Im mesopotamischen Dura Europos des Nikanor am mittleren Euphrat – wenig oberhalb von Mari – befindet sich die älteste ausgegrabene christliche Kirche der Welt. (fide Prof. Dr. W. F. Albright, Baltimore, Md.).

Die Aramäer, Galiläer und Juden (Söhne und Kinder der Aramäer) nahmen als erste die Lehre Jesu an. Außerdem predigten die Apostel anfänglich in den Synagogen. Deshalb waren die von ihnen Bekehrten ihre eigene Landsleute bzw. Aramäer, besonders solche, die durch Heirat mit jüdischen Familien verwandt waren, wie Timotheus und Titus, von denen der aramäische Text aussagt, dass ihre Väter Aramäer und ihre Mütter Jüdinnen gewesen sind (Apg. 16:1; Gal. 2:3). Die in Ephesus zum Christentum Übergetretenen waren Aramäer und Juden. Die darauf bezügliche Stelle lautet im altaramäischen Text: «Das aber ward kund allen, die zu Ephesus wohnten, sowohl Aramäern als Juden; und es fiel eine Furcht über sie alle, und der Name des Herrn Jesu ward hoch gelobt» (Apg. 19:17). Ferner fuhren die Christen noch geraume Zeit fort, zu ihrem Gottesdienst in die Tempel und Synagogen zu gehen; sie befolgten jüdische Bräuche und Überlieferungen und hielten das mosaische Gesetz und den Sabbat. Nahezu zweihundert Jahre lang waren die Vorsteher (Auf-Seher)=Epi-skopoi=Bischöfe) der Gemeinde von Jerusalem Semiten, mit anderen Worten, die Nachfolger Jesu waren den Lehren der Propheten gehorsam, da ihr Meister ihnen erklärt hatte:

«Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: Bis dass Himmel und Erde vergehe, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis dass es alles geschehe. Wer nun eines von diesen kleinen Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich» (Mt. 5:17-19).

Ganz offensichtlich wollte Jesus bei Seinen Jüngern nicht den geringsten Zweifel über Seine Stellungnahme zum Gesetz und zu den Lehren der Propheten aufkommen lassen.

Die Christen des Westens vergessen oft, dass das Christentum eine östliche Religion ist und die Bibel ein orientalisches Buch, das von Morgenländern in erster Linie für den Gebrauch durch ihre eigenen Landsleute aufgezeichnet wurde. Sie vergessen ebenfalls, dass biblische Manuskripte schon von den ältesten Zeiten an im Nahen Osten weit verbreitet waren, ganz im Gegensatz zur großen Seltenheit und relativ späten Erwerbung und Benutzung der Heiligen Schrift in Europa und Amerika. Dies alles war aber nur natürlich, denn das Christentum begann ja im Osten.

Der Westen übersieht, dass Martin Luthers «Biblia», das ist, die ganze Heilige Schrift, Deutsch, in Wittenberg erst 1534 erschien und die englische «King James Version» im Jahre 1611 herauskam. Die europäischen Völker erhielten erst etwa anderthalb Jahrtausende nach den Christen des Orients Zugang zur Bibel. Der größte Teil Europas wurde um die Jahre 800-1000 zum Christentum bekehrt, und zwar durch kaiserliche Erlasse, ohne dass das Volk viel von den Lehren Christi erfuhr. Die Franken, Langobarden, Sachsen und Briten wurden zur Annahme des westlichen Christentums aufgerufen.

Das Lesen der Bibel blieb dem Volk jedoch bis gegen das sechzehnte Jahrhundert hin verboten. Europäische Christen wurden lebendig verbrannt oder auf andere schreckliche Weise getötet, wenn man heilige Schriften bei ihnen fand oder sie sich gar an Übersetzungsversuche wagten. Selbst in England, das im Westen doch die Wiege der Glaubensfreiheit war, wandten viele Bischöfe und Priester, sich gegen die Übersetzung und Veröffentlichung der King James Version und nannten sie eine Gotteslästerung.

George M. Lamsa, Ursprung des Neuen Testaments. Übersetzt von Dr. Richard E. Koch 1965.

Das Christentum ist eine semitische Religion (Teil 2)

Andererseits hatten die Griechen und Römer vor der Bekehrung des Kaisers Konstantin im Jahre 318 n. Chr. die christliche Religion als staatsfeindlich erklärt. Während der Verfolgungen, die unter Nero im Jahre 64 n. Chr. begannen und bis 318 n. Chr. dauerten, wurden die heiligen Schriften wiederholt öffentlich verbrannt. Vor dem Erscheinen von Luthers Bibelübersetzung und der King James Version hatte man die lateinischen Manuskripte sorgfältig hinter Schloss und Riegel gehalten und nur einigen wenigen Priestern und Mönchen zu ihnen Zugang gewährt. In jenen Zeiten waren die aramäischen Manuskripte in Europa gänzlich unbekannt und Griechisch wurde nur ganz selten gelehrt. Melanchthon zu Wittenberg war damals einer der ganz wenigen Professoren, der die griechische Sprache dozierte.

Als Erasmus von Rotterdam es unternahm, die Heilige Schrift zu übersetzen, war er nicht imstande, in Holland oder England ein einziges vollständiges griechisches Manuskript zu finden. Er musste es rekonstruieren und gab dann im Jahre 1516 in Basel als erster das Neue Testament in griechischer Sprache gedruckt heraus. In jener Zeit nahmen die vielen Versuche durch Westcott und Hort und andere zur Wiederherstellung der griechischen Fassung und zur Wiederbelebung der klassischen griechischen Wissenschaft ihren Anfang.

Sie führten zu den zahlreichen Revisionen, die von immer wieder neuen, hauptsächlich durch deutsche Gelehrte entwickelten Theorien ausgingen. In auffallendem Gegensatz zur soeben erwähnten Seltenheit biblischer Manuskripte in Europa befanden die aramäisch geschriebenen Heiligen Schriften sich in Palästina, Aram (heute Syrien) und Aram-Naharaim in großer Zahl im Umlauf und wurden in Kirchen und Heimstätten vom allerersten Beginn des Christentums an bis heute dort eifrig gelesen. Tatsächlich war die Bibel die einzige Quelle, aus der diese Völker, die um ihrer Religion willen soviel erduldet haben, immer wieder Mut schöpften, um ihren Glauben aufrecht zu erhalten. In vielen Gegenden des Orients gab es außer den auf Häute geschriebenen Bibeln keinerlei andere Literatur, bis Missionare vor relativ wenigen Jahren gedruckte Bücher einführten.

Die altaramäischen Estrangelomanuskripte wurden ohne jegliche Verfälschung überliefert, denn die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien blieb frei von den Ketzereien und Polemiken, die anderswo auftraten. Teile des östlichen Christentums bewahrten sich immer ihre Unabhängigkeit von Byzanz und Rom.

Vor dem Entstehen des britischen Kaiserreiches besaßen die Christen Europas keinen wirklichen Kontakt mit den Kirchen des Orients. Sie wussten daher sehr wenig über die morgenländischen Sitten und Bräuche und über die semitischen Sprachen. Aus diesem Grunde hat wohl ein Leonardo da Vinci, Jesus, die Magd Maria und die Fischer-Apostel in kostbare, karmesinfarbige Gewänder gehüllt, statt sie in einfacher, ländlicher Tracht erscheinen zu lassen. Auch wurden Marco Polos Erlebnisse und Erfahrungen, die er gegen Ende des 13. Jahrhunderts im Orient, in Zentralasien und im Fernen Osten machte, sowie seine Entdeckung christlicher Gemeinden in jenen Gebieten, z.B. auch in China, in Europa viel zu wenig bekannt, um aufklärend wirken zu können. Die Araber und Türken versperrten den Weg nach Indien und Südost-Asien. Dieser Umstand war zweifellos mitbestimmend für den Entschluss von Christoph Columbus, auf der Suche nach einer neuen Route nach Indien den Atlantik zu überqueren. Zu alledem kam noch, dass Europa sich während langer Zeiten durch Kriege, Revolutionen und auch durch Zänkereien über verschiedene kirchliche Lehren und biblische Auslegungen selbst zerfleischte.

Allem Anschein nach erhielten die Römer die Heilige Schrift von den Griechen. Einige Griechen wurden von Paulus, Timotheus und andern jüdischen und aramäischen Missionaren bekehrt, die von den Gemeinden in Jerusalem und Antiochien in Aram – hier wurden die Anhänger Jesu zum ersten Mal Christen genannt; (Apg. 11:26) ausgesandt worden waren. Man sieht daraus das wunderbare Wachsen der christlichen Religion, die sich zuerst unter den Angehörigen der semitischen Rasse und Kultur ost- und westwärts in die persischen und römischen Kaiserreiche ausbreitete. Später wurde die Kunde der Geschichte des Kreuzes von einem Volk dem andern überbracht. Dasselbe galt auch für die Ausbreitung der heiligen Literatur.

George M. Lamsa, Ursprung des Neuen Testaments. Übersetzt von Dr. Richard E. Koch 1965.

 

Das Christentum ist eine semitische Religion (Teil 3)

Das Neue Testament wurde von einer Sprache in die andere übersetzt. Ursprünglich hatte man es aramäisch in der Sprache, welche die ersten, d.h. die galiläischen, palästinensischen und aramäischen Nachfolger Jesu sprachen und schrieben, aufgezeichnet. Später wurde es auch den andern Völkern, anderer Rassen zugänglich gemacht. Anders ausgedrückt heißt das: Das Christentum entstand in Palästina, Aram und Aram-Naharaim, wo es sich zunächst unter den einheimischen, semitischen Völkern ausbreitete, die durch Blutband, Überlieferungen und Lebensgewohnheiten miteinander verbunden waren; später erreichte es die Griechen, Römer, Franken, Briten und die Bewohner anderer europäischer Länder.

Die griechische Eroberung Asiens hatte keinen nachhaltigen Einfluss auf dir dort lange vorher entstandenen orientalischen Bräuche, Religionen und geheiligten Satzungen und änderte auch die Sprache der einheimischen Völker nicht. Es war für die fünfundvierzigtausend Mazedonier (Griechen) unmöglich, in der relativ kurzen, ihnen zur Verfügung stehenden Zeit auf das Alltagsleben der Millionen von ihm Nahen Osten lebenden Menschen entscheidend einzuwirken. Nach Alexanders Tod teilten seine Heerführer sein riesiges Reich unter sich auf. Mehrere von diesen griechischen Generälen beherrschte, aber von den Orientalen verwaltete Königreiche entstanden in Aram, Persien und Ägypten. Entscheidender war jedoch, dass die Griechen eine reiche Siegesbeute von Babylon und Persepolis in ihre Heimat schleppten und auf diese Weise östliche Kunst und Kultur in der westlichen Welt einführten. Hierüber schreibt Prof. Dr. James Breasted, der Direktor des Orient-Instituts und Prof. für Geschichte des Orients an der Universität Chicago, in seinem 1935 bei Ginn & Co. erschienenen Buch «Ancient Times, A History of the Early World» auf Seite 481:

Während Alexanders Siege und Eroberungen die Militärmacht des Orients zerstörten, blieb das tägliche Leben und die Zivilisation der Bevölkerung des Morgenlandes unangetastet weiterbestehen und übte in mancher Hinsicht einen stetigen, starken Einfluss auf den gesamten östlichen Mittelmeerraum aus: in Handel, Regierungsformen, Sitten und Gewohnheiten, Kunst, Gewerbe, Literatur und Religion. Als das Christentum begann, sich über Palästinas Grenzen hinaus auszubreiten, war es, wie wir sehen werden, nur einer der vielen Einflüsse, der vom Orient her auf den Westen einwirkte.

Die eigentliche Bevölkerung Aram, Palästinas und Aram-Naharaim fuhr jedoch unverändert damit fort, in Handel und Wandel, Gewerbe und Religion ihre eigene Muttersprache, das Aramäische, zu gebrauchen. Sie tat dies auch während der ganzen Langdauernden westlicher Besetzung, die im Jahre 650 n. Chr. durch die arabische Eroberung abgelöst wurde. Sogar unter der Herrschaft der Araber und der Türken behauptete das Aramäische sich immer noch. Es wurde in Libanon und in Aram bis vor einpaar hundert Jahren ganz allgemein gesprochen. Jetzt ist es zur Kirchensprache von nahezu einer Million Aramäern im Libanongebirge geworden. An vereinzelten Orten Syriens (Aram), im Südosten Türkei (Tur-Abdin), in der Diaspora, und vor allem im nördlichen Aram-Naharaim hat es sich sogar bis heute noch als Umgangssprache des aramäischen Volkes behauptet.

Abgar der Große
Der Briefwechsel zwischen dem aramäischen König Abgar V. von Urhoy (Edessa) und Jesus wird von den aramäischen Kirchenvätern als Zeugnis dafür verwendet, dass die Aramäer bereits zur Zeit Jesu die Frohe Botschaft angenommen haben. 

George M. Lamsa, Ursprung des Neuen Testaments. Übersetzt von Dr. Richard E. Koch 1965.

Seite 4 von 4

Die syrischen Kirchen
Das Volk der Aramäer verteilt sich in vielen Kirchen «syrisch-orthodoxer Tradition». Zur Volksgruppe der Aramäer gehören heute folgende Kirchen an:

Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien (Mutter und Ursprung aller östlichen und westlichen Kirchen)
Die Ostsyrisch-Nestorianische (getrennt seit 431/484)
Die Syrisch-Chaldäische Kirche (getrennt seit 16. Jh.)
Die Syrisch-Melkitische Kirche (getrennt seit 6. Jh.)
Die Syrisch-Maronitische Kirche (getrennt seit 1181)
Die Syrisch-Katholische Kirche (getrennt seit 1782/83)

Die Aramäer gründeten in Antiochien (heute Antakya, Türkei) die erste christliche Gemeinde außerhalb Palästinas. Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, die sich aus dieser urchristlichen Gemeinde entwickelte, ist die erste aller christlichen Kirchen.

Die Apostolische Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien ist die erste Gemeinde, die von aus Jerusalem nach Antiochien geflohenen Juden bzw. Aposteln und Propheten gegründet wurde (Apg. 11:19 ff).

Sie ist zugleich die erste Gemeinde unter dem Begriff Christianoi (Christen) (Apg. 11:26), der zum ersten Mal in der Geschichte auftauchte.
Die Organisatoren dieser Gemeinde waren Barnabas und Paulus. Der rechtmäßige Gründer der antiochenischen Gemeinde bzw. der Syrisch-Orthodoxen Kirche ist der Apostel Simon Kephas, genannt Petrus.

Der gegenwärtige Syrisch-Orthodoxe Patriarch ist Ignatius Zakay I. Iwas, der 122. Nachfolger des Apostels Petrus auf dem apostolischen Stuhl von Antiochien.


Ignatius Zakay I. Iwas

Der Syrisch-Orthodoxe Patriarch trägt den Titel «Ignatius» seit 1293 zur Erinnerung an den Märtyrerbischof und Patriarch Ignatius (Nurono) von Antiochien (+ 107).

Heute sitzt der Patriarch in der syrischen (ehemals die größte aramäische Königreich unter dem Namen; Aram-Damaskus) Stadt Damaskus.

Theologie
Die syrische Theologie leitet ihre Lehre ab von der göttlichen Inspiration, geoffenbart in der Heiligen Schrift, wie sie von den heiligen Vätern ausgelegt wird, und von den Traditionen, die wir von heiligen Aposteln empfangen haben. Sie bejaht die ersten drei großen ökumenischen Konzilien der Christenheit, das Konzil von Nicäa (325 n. Chr.), das Konzil von Konstantinopel (381 n. Chr.) und das Konzil von Ephesus (431 n. Chr.). Ihre Wesensmerkmale sind: Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität.

Es werden wie in den anderen orthodoxen und katholischen Kirchen die sieben Sakramente anerkannt; sie werden von einem geweihten Priester gespendet.

George M. Lamsa, Ursprung des Neuen Testaments. Übersetzt von Dr. Richard E. Koch 1965.

 

Quelle: http://www.bvdad.de/index.php/sprache

Advertisements

Neueste Twitter Meldungen!

Aktuelle Veranstaltungen!

Spendenaktion für die Aramäer und Christen in Syrien:


Vergesst uns nicht!

Deutschland steh zu deiner Verantwortung! Petition Unterschreiben!

Der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern, über 500.000 Aramäern und anderen christlichen Minderheiten, die Straflosigkeit der Täter, wird von Historikern als Blaupause für den Holocaust und weitere Völkermorde bezeichnet. Bereits Adolf Hitler sagte bei seiner zweiten Rede vor den Oberkommandierenden auf dem Obersalzberg am 22. August 1939 „Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“. Die Leugnung eines Völkermords und die Straflosigkeit der Täter stellt einen Nährboden für weitere Völkermorde dar, welche heute immer noch stattfinden! Stoppt die Leugnung von Völkermorden und die Verunglimpfung der Opfer durch die Täter und ihre Nachfahren!

Yes, You Can Say ‘Genocide,’ Mr. Prim Minister Erdogan!

Aktuelle Bildergalerie

Archiv Kalender

Oktober 2017
S M D M D F S
« Mrz    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 877 Followern an

Kategorie

Archiv

%d Bloggern gefällt das: